Condor

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7. April 2022 | 18:01 Uhr
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Neues Condor-Design teilt die Reisebranche in zwei Lager

Die einen finden's klasse, andere wenden sich mit Grausen ab: Das neue Streifen-Design der Flotte des Ferienfliegers Condor sorgt für Begeisterung und harsche Kritik. Bei einer aktuellen Umfrage von Reise vor9 zeigt sich rund ein Drittel der Teilnehmer begeistert. Fast ebenso viele meinen allerdings: Geht gar nicht.

Condor A320

Blau, Grün, Gelb, Sandfarben oder Rot – für das neue Condor-Design gibt es fünf Farben

Man sollte ja meinen, es gäbe in diesen Tagen Wichtigeres als das neue Outfit eines Ferienfliegers. Aber vielleicht gerade weil die Zeiten schwer sind, diskutiert die Reisebranche besonders engagiert darüber, ob der neue Look der Condor-Flugzeuge nun gelungen ist oder nicht. Rund 900 Touristiker nahmen am Donnerstag an einer Online-Umfrage von Reise vor9 zu diesem Thema teil.

Dafür, dass das Thema die Reiseprofis beschäftigt, spricht auch, dass mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer einen Kommentar hinterließ. Dabei findet die Mehrheit der Befragten das neue Design entweder richtig toll oder richtig doof. Jeweils rund ein Drittel äußerte sich so. 14 Prozent der Touristiker erklären, das Design sei "ganz okay". Ein Fünftel meint, es sei "nicht so gut".

Originell oder billig?

Die Begeisterten loben die Originalität des neuen Auftritts und heben hervor, dass er sich vom Einheitsbrei der übrigen Luftfahrt wohltuend abhebe. "Auffällig, ungewöhnlich, frech", schreibt ein Umfrageteilnehmer. Unter den Gegnern sind die verwendeten Begriffe wenig schmeichelhaft. "Ringelsöckchen-Design" und "Fisherman's-Friends-Look" zählen noch zu den harmloseren Bezeichnungen; manche Touristiker fühlen sich auch an Gefängniskleidung erinnert.

Häufig taucht in den Kommentaren die Kritik auf, das gestreifte Outfit wirke zu wenig seriös; manche meinen, es stempele Condor zur Billig-Airline. Wieder andere bemängeln, dass die lange Historie des Ferienfliegers über Bord geworfen werde. Der frühere TUI-Chef und Honorar-Hochschulprofessor Karl Born schreibt auf dem Portal Airliners, nach vielen Schicksalsschlägen, die Condor erfolgreich gemeistert habe, folge nun der "eigentlich schlimmste": "Man gibt Dich der Lächerlichkeit preis."

Ein Marketing-Profi, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, schreibt: "Die Lackierungen der Flugzeuge hunderter Airlines sollen vor allem eine Botschaft transportieren: Wir sind zuverlässig, seriös und sicher. Es sind fliegende Bankfilialen. Genau um diese, auf die Farbpsychologe gestützte Message, geht es beim Design. Und genau an dieser Botschaft jettet die fliegende Ringelnatter meilenweit vorbei."

So viel Aufmerksamkeit ist selten

Unabhängig von ihrem persönlichen Geschmack glauben gut 40 Prozent der Teilnehmer, das neue Outfit werde schon deshalb ein Erfolg, weil es so viel Aufmerksamkeit errege. Dass der Erfolg der besonderen Schönheit des Designs geschuldet sein könnte, glauben indes nur fünf Prozent. 18 Prozent sind zuversichtlich, dass das Re-Design "auf jeden Fall" ein Erfolg werde. 20 Prozent meinen, es sei ein Fehler, das bewährte Design aufzugeben. Rund ein Drittel findet, Condor hätte zwar eine Auffrischung des Markenauftritts gebraucht – "aber nicht so".

Eines ist der Ferienfluggesellschaft auf jeden Fall gelungen: Über sie wird derzeit so viel geredet wie lange nicht. Der Mythos, dass jede PR gute PR ist, lebt.

Christian Schmicke

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