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10. März 2022 | 12:56 Uhr
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Studienkreis zeichnet indische Agentur für Ökotourismus aus

Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung hat den To-Do-Award 2022 an die Reiseagentur Himalayan Ecotourism (HET), die im Norden Indiens Trekking-Touren durch den Nationalpark anbietet, verliehen. Das sozial ausgerichtete Unternehmen vertrete zudem die Interessen der Bevölkerung der Region im Hinblick auf den Ausbau der touristischen Infrastruktur, heißt es in der Laudatio.

Great Himalayan National Park

Himalayan Ecotourism vermittelt Besucher und Gruppen an lokale Anbieter

Die Gründung von HET ist eng mit der Geschichte des Great Himalayan Nationalpark verbunden, der die Region seit 2014 als Unesco-Welt-Naturerbe ausweist. In Folge dieser Entscheidung durch die Unesco hatte der Wander- und Bergtourismus in der Region stark zugenommen. Da mehrtägige Wanderungen und Expeditionen jedoch nicht ohne lokale Führer und Träger möglich sind, entstanden zwar zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für Tour Guides – diese wurden allerdings zu minimalen Löhnen beschäftigt.

Stephan Marchal, ein belgischer Social Entrepreneur, hatte dieses ausbeuterische System selbst kennengelernt und sich entschlossen, seine Erfahrungen und Hilfe zur Gründung einer Kooperative zur Verfügung zu stellen, um faire Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Die etablierten örtlichen Reiseagenturen boykottierten zunächst die Mitglieder der Kooperative. Daraufhin gründeten die Initiatoren ihre eigene Reiseagentur – Himalayan Ecotourism. Sie vermittelt Besucher und Gruppen an die Kooperative.

Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit

Die Einnahmen garantieren nun, dass es keine Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung und Sponsoren gab. Ein Teil der touristischen Einnahmen verbleibt zur Deckung von Verwaltungskosten; ein Teil wird zum Kauf von Ausrüstung (Zelte, Schlafsäcke, etc.) und Werbungskosten verwendet. Die Löhne werden von den Mitgliedern der Kooperative selbst festgelegt – sie werden von den Forderungen der Mitglieder und marktmöglichen Preisen bestimmt. Zusätzlich haben weitere HET-Projekte für Frauen in der Region, wie zum Beispiel die Herstellung, der Verkauf und Versand von Seifen und Ölen, die Einkommen der Familien verbessert. Viele Mitglieder bieten nun außerdem Homestay-Übernachtungen an. Ein wesentlicher Teil der Einnahmen aus dem Tourismus kommt so der lokalen Bevölkerung zugute. HET versteht sich als ein Social Enterprise und soll nach erfolgreicher Einarbeitung mittelfristig vollständig an lokale Mitarbeiter:innen übergeben werden.

Claudia Mitteneder, Geschäftsführerin des Studienkreis für Tourismus und Entwicklung, sagt zu der Preisverleihung: "Sozialverantwortlicher – und damit zukunftsfähiger Tourismus kann nur gelingen, wenn ausnahmslos alle Beteiligten in Planung und Umsetzung dieser Projekte eingebunden werden. Partizipation, Gleichberechtigung der Geschlechter und sozio-ökonomische Unabhängigkeit werden dann zu Erfolgsgaranten, wie sich beim Projekt HET eindrucksvoll zeigt. Der Studienkreis unterstützt die Mitglieder der Kooperative inhaltlich – und mit der Auszeichnung mit dem To-Do-Award auch finanziell. Wir gratulieren allen Beteiligten und wünschen uns, dass diese Form eines solidarischen und sozialverantwortlichen Tourismus weltweit Schule macht."

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