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8. April 2020 | 07:00 Uhr
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Wikinger lässt Kunden zwischen Gutschein und Geld wählen

Nachdem am Vortag Alltours erklärt hatte, man werde nun mit der Rückzahlung geleisteter Anzahlungen von Kunden beginnen, bekräftigte am Dienstag auch der mittelständische Wanderreisespezialist, dass er Gutscheine nicht zur obligatorischen Form der Erstattung von Kundengeldern für abgesagte Reisen machen will.

Reisegutschein

Bei Wikinger Reisen können Kunden zwischen Umbuchung und Rückerstattung wählen

Vergangene Woche hatte die Bundesregierung den Weg für eine Neuregelung der Rückzahlungspflicht bei Reiseabsagen freigemacht. Veranstalter dürfen nun darauf hoffen, dass sie ihren Kunden bei Reisen, die sie im Zuge der Coronakrise absagen müssen, Gutscheine für spätere Buchungen aushändigen dürfen und ihnen das Geld bis zum 31. Dezember 2021 nicht zurückzahlen müssen.

Auch wenn der Regierungsbeschluss bislang nicht in geltendes Recht umgesetzt ist und zudem der aktuellen EU-Pauschalreisegesetzgebung widerspricht, wird das Gros der Anbieter von der Möglichkeit gerne Gebrauch machen, um einen massiven Abfluss von Liquidität zu verhindern. Doch auch diesbezüglich sind die Überlegungen innerhalb der Branche offenbar durchaus unterschiedlich.

So verkündete Alltours am Montag, man werde geleistete Zahlungen für Reisen aus dem Pauschal- und Individualprogramm zwischen dem 17. März und 30. April würden ab sofort an die Kunden zurückerstatten. Anders als sonst bei den Düsseldorfern üblich, erfolgte die Ansage ohne weiteren Kommentar des Firmenchefs Willi Verhuven. Doch darf die schmucklose Ankündigung getrost als Zeichen an die Branche gewertet werden, dass Alltours, anders als Konkurrenten, die bereits Staatshilfen anforderten, äußerst liquide sei.

Entscheidung bleibt beim Kunden

Mit Wikinger Reisen hat nun ein Mittelständler erklärt, dass er es zwar begrüße, wenn seine Kunden Gutscheine auf spätere Termine oder andere Reisen akzeptierten, diese aber nicht darauf festnageln wolle. "Wir überlassen die Entscheidung den Urlaubern selbst und werden die künftigen rechtlichen Möglichkeiten nicht ausschöpfen“, unterstreicht Daniel Kraus, geschäftsführender Gesellschafter, "auch wenn wir uns natürlich über jeden freuen, der sich für eine Umbuchung entscheidet".

Der Schritt ist insofern bemerkenswert, als der Veranstalter gerade einschneidende Sparmaßnahmen angekündigt hat und sich von nahezu jedem zweiten Mitarbeiter trennt. Man straffe den Kostenapparat in hohem Maße, um gegenüber Urlaubern leistungsfähig zu bleiben und die Krise zu überstehen, kommentiert Kraus sein Vorgehen.

Das Problem von Rückbuchungen gezahlter Provisionen ergibt sich für Wikinger reisen nicht unmittelbar. Denn der Veranstalter zahlt die Reisebürovergütung, wie viele andere auch, erst einige Tage nach dem Reiseantritt der Kunden.

Christian Schmicke

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