Der Bahn-Vorstand begründet die neue Präsenzregel mit besserer Zusammenarbeit, schnellerem Wissensaustausch und mehr Teamgeist. Im DB-Intranet kam diese Botschaft nicht überall mit der gewünschten Geschwindigkeit an, wie das Handelsblatt (Abo) erfuhr. Zwei Stunden nach der Veröffentlichung standen bereits 125 Kommentare unter dem Beitrag.
Ein Mitarbeiter rechnete vor, künftig zunächst mit einem "60 Prozent pünktlichen Verkehrsmittel" ins Großraumbüro zu fahren, um anschließend dort Videokonferenzen abzuhalten. Andere zweifeln grundsätzlich daran, dass mehr Anwesenheit automatisch mehr Produktivität bringt.
Mehr Präsenz auf weniger Fläche
Zusätzlichen Charme erhält die Regel durch eine zweite Konzernentscheidung: Bahn-Chefin Evelyn Palla hatte erst im September angekündigt, mindestens ein Fünftel der Büroflächen abzubauen. Wie mehr Beschäftigte an mehr Tagen in weniger Büros passen sollen, verrät der Vorstand in seinem Schreiben nicht.
Einige Mitarbeiter befürchten sinkende Produktivität, höheren Krankenstand und mehr Kündigungen. Andere sehen die Büropflicht im Zusammenhang mit dem geplanten Abbau von Verwaltungsstellen. Der passende Intranet-Kommentar dazu: "Ein Schelm, wer irgendeinen Zusammenhang sieht."
Die Gesellschaften des Konzerns sollen die Regel spätestens bis Ende 2027 umsetzen. Für rund zwei Drittel der Bahn-Beschäftigten spielt die Debatte ohnehin keine Rolle: Sie arbeiten schon immer täglich vor Ort.
