In Bad Bentheim wurde aus freiem Wettbewerb zunächst einmal freies Warten. Nach Darstellung von Go Volta steckte die eigene Lok sieben Stunden fest, weil ein defekter ICE den Weg blockierte. Mehrfach habe es geheißen, der Zug werde gleich entfernt. Am Ende passierte genau das offenbar nicht rechtzeitig.
Go Volta sagte die Fahrt nach Berlin schließlich ab und setzte Busse ein. Besonders praktisch für gestrandete Reisende: Am gegenüberliegenden Bahnsteig hielten mehrere ICE-Züge. Wer trotzdem weiterfahren wollte, konnte nach Angaben von Go Volta ein neues Ticket zum vollen Preis kaufen. Eine kostenlose Mitnahme habe die DB abgelehnt.
Aller schlechten Dinge sind drei
Go Volta sieht darin keinen Einzelfall. Innerhalb eines Monats sei es bereits zum dritten Mal zu einem Ausfall gekommen, den das Unternehmen auf das Vorgehen von DB und der Niederländischen Eisenbahn NS zurückführt. Mindestens fünf weitere Fahrten hätten sich aus ähnlichen Gründen stark verspätet.
Auch bei der digitalen Sichtbarkeit läuft es aus Sicht des Anbieters noch nicht ganz auf Augenhöhe. Go Volta beklagt, dass eigene Züge auf Anzeigetafeln teils gar nicht oder falsch auftauchten und in Online-Reiseplanern fehlten. Geschäftsführer Hessel Winkelman formuliert es entsprechend deutlich: „Das ist kein Pech mehr, das ist ein Muster.“
Jetzt sollen die Aufseher hinschauen
Go Volta forderte deshalb die Bundesnetzagentur und die niederländische Autoriteit Consument & Markt auf, die Vorwürfe zu prüfen. Gewünscht sind fairer Zugang zur Schiene, korrekte Reiseinformationen und klare Regeln für den Umgang mit Reisenden bei Störungen.
Go Volta zählt sich zu den ersten neuen Anbietern im internationalen Bahnverkehr ab den Niederlanden. Die Tickets kosten nach Unternehmensangaben bis zu 80 Prozent weniger als bei NS und DB. 450 Privatpersonen haben über Crowdfunding insgesamt 1,8 Millionen Euro investiert – offenbar in der Hoffnung, dass die Züge künftig nicht nur günstig sind, sondern auch fahren.
Christian Schmicke
