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Condor muss 200 Millionen Euro einsparen

Condor muss in den kommenden zwei Geschäftsjahren jeweils 100 Millionen Euro einsparen. Hohe Kerosinpreise, Investitionen in Flotte und Netz sowie Verluste belasten die Airline. 65 Millionen Euro pro Jahr sollen bei Verträgen und Lizenzen gespart werden, 35 Millionen beim Personal. Mehrheitseigner Attestor macht weiteres Wachstum offenbar von den Einsparungen abhängig.

Ein sogenannter "Zukunftspakt" soll in den Geschäftsjahren 2026/27 und 2027/28 greifen. Nach Angaben der Gewerkschaften Ufo und Verdi entfallen von den jährlich 100 Millionen Euro Einsparziel 65 Millionen auf Lizenzen und Verträge mit Partnern. Weitere 35 Millionen Euro soll die Belegschaft beitragen, davon rund zehn Millionen die Kabine.

Condor bestätigt den Zukunftspakt, äußert sich aber nicht zu den von den Gewerkschaften genannten Summen. Die geplanten Vereinbarungen sollen nach Angaben der Airline vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen und schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit sichern und weiteres Wachstum ermöglichen.

Kerosin und Wachstum belasten Condor

Als Belastungen nennen die Gewerkschaften neben den hohen Ölpreisen infolge des Konflikts zwischen den USA und dem Iran auch den zunehmenden Wettbewerb im deutschen Luftverkehr und Lieferverzögerungen bei Airbus. Zugleich investiert Condor weiter in Flotte und Netzwerk. Die Zahl der Abflüge soll nach Gewerkschaftsangaben um rund 32 Prozent wachsen, das Personal um etwa zehn Prozent.

Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz auf 2,35 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand jedoch ein Verlust von rund 110 Millionen Euro. Belastend wirkten unter anderem Zinszahlungen für Darlehen des Mehrheitseigners Attestor und neue Rechnungslegungsvorschriften.

Attestor erwartet Kostendisziplin

Attestor hält 51 Prozent an Condor und hat seit dem Einstieg 2021 rund 450 Millionen Euro investiert. Sollte kein weiterer Investor gefunden werden, dürfte der Finanzinvestor auch die restlichen 49 Prozent übernehmen.

Nach Darstellung der Gewerkschaften macht Attestor die weitere Unterstützung des geplanten Wachstums von den Einsparungen abhängig. Condor betont dagegen, die Zusammenarbeit mit dem Gesellschafter bleibe unverändert vertrauensvoll.

Stufensprünge bleiben erhalten

Beim Personal wollte Condor laut Ufo und Verdi zunächst tarifliche Stufensprünge aussetzen und bis 2030 auf reguläre Gehaltssteigerungen verzichten. Diese Forderung setzte sich nicht durch. Die Stufensprünge bleiben bestehen, für die Kabine kommen ab 2027 zusätzliche tabellenwirksame Erhöhungen hinzu. Für 2028 sind außerdem Einmalzahlungen vorgesehen.

Damit steht Condor vor einem Spagat: Kosten deutlich zu senken und zugleich weiter zu wachsen ist nicht ganz einfach. Der Umbau vom klassischen Ferienflieger zum Netzwerk-Carrier soll indes trotz des Sparprogramms fortgesetzt werden.

Christian Schmicke