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30. Juli 2026 | 12:49 Uhr
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Europas Flughäfen wachsen langsamer

Europas Flughäfen zählten im ersten Halbjahr 2,6 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr. Das Wachstum verlor an Tempo: Nach plus 4,3 Prozent im ersten Quartal waren es im zweiten nur noch 1,3 Prozent. Der Flughafenverband ACI Europe nennt unter anderem den Krieg im Nahen Osten und höhere Kerosinpreise als Ursachen. Deutschland blieb mit einem Minus von 1,2 Prozent hinter dem europäischen Markt zurück.

Flughafen München

Der Verkehr am Flughafen München ist im ersten Halbjahr um 4,2 Prozent geschrumpft

Erstmals seit der Erholung von der Corona-Pandemie entwickelte sich der Inlandsverkehr auf europäischer Ebene stärker als das internationale Geschäft. Die Zahl der Passagiere auf innerstaatlichen Strecken stieg im ersten Halbjahr um drei Prozent, international waren es 2,5 Prozent.

ACI-Europe-Generaldirektor Olivier Jankovec sieht darin vor allem die Folgen geopolitischer und betrieblicher Belastungen. Die Nachfrage sei nicht grundsätzlich schwächer geworden. Europäer priorisierten Flugreisen weiterhin zugleich besuchten nordamerikanische Gäste den Kontinent in diesem Sommer in großer Zahl.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Innerhalb der EU und des erweiterten europäischen Marktes verlief die Entwicklung sehr unterschiedlich. Die höchsten Zuwächse meldeten die Slowakei mit 101,3 Prozent, Malta mit 15,6 Prozent und Slowenien mit 14,7 Prozent. Rückgänge verzeichneten Island mit 7,1 Prozent, Zypern mit 4,4 Prozent und Österreich mit 2,6 Prozent.

Unter den großen Märkten legten Italien um 4,2 Prozent und Spanien um 3,7 Prozent zu. Frankreich erreichte lediglich 0,6 Prozent Wachstum, Großbritannien 0,4 Prozent. Deutschlands Flughäfen blieben mit minus 1,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Auch außerhalb der EU waren die Unterschiede groß. Nordmazedonien, Moldau, Albanien und Usbekistan verzeichneten zweistellige Wachstumsraten. Israel verlor dagegen naheliegenderweise 19,2 Prozent. Die Türkei blieb mit einem Plus von 2,8 Prozent auf Wachstumskurs.

Heathrow bleibt knapp vor Istanbul

London-Heathrow war mit 40 Millionen Passagieren erneut Europas verkehrsreichster Flughafen. Das entsprach einem leichten Zuwachs von 0,2 Prozent. Istanbul folgt mit 39,84 Millionen Reisenden und einem Plus von 1,6 Prozent.

Besonders dynamisch entwickelten sich Istanbul-Sabiha Gökçen mit 6,4 Prozent Zuwachs sowie Barcelona mit 4,4 Prozent und Madrid mit 4,2 Prozent. Schwächer liefen London-Gatwick mit minus 5,2 Prozent, München mit minus 4,2 Prozent und Frankfurt mit minus 0,8 Prozent. Amsterdam, Paris-Charles-de-Gaulle und Rom-Fiumicino bewegten sich annähernd auf Vorjahresniveau.

Überdurchschnittlich wuchsen kleinere Standorte. Flughäfen mit weniger als einer Million Passagieren steigerten ihr Aufkommen um 8,6 Prozent. Sie liegen allerdings weiterhin um 33,2 Prozent unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2019.

ACI warnt vor langwierigen Grenzkontrollen

Neben der geopolitischen Lage sieht der Flughafenverband ein weiteres Risiko im europäischen Einreise-Ausreise-System EES. Lange und schwer vorhersehbare Wartezeiten an den Grenzkontrollen wirkten inzwischen abschreckend auf Reisende, warnt Jankovec.

Die Behebung der Probleme müsse deshalb unmittelbare Priorität haben. Andernfalls drohe Europa seinen Ruf als effizientes und gastfreundliches Reiseziel zu beschädigen. Für den weiteren Jahresverlauf werde zudem entscheidend sein, wie sich der Krieg im Nahen Osten und dessen Folgen für Flugbetrieb, Wirtschaft und Treibstoffpreise entwickelten.

Christian Schmicke

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