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Lufthansa-Umbau sorgt intern für Streit

Neun Monate nach Einführung der neuen Konzernstruktur gibt es bei Lufthansa nach Informationen des Handelsblatts intern Streit über den Kurs. Während manche Führungskräfte die Zentralisierung für zu weitgehend halten, geht sie anderen nicht weit genug. Besonders umstritten ist das Projekt Nexus, das Lufthansa Classic, City Airlines und Discover enger verzahnen soll.

Seit Jahresbeginn steuert Lufthansa unter dem Projektnamen „Matrix Next Level“ unter anderem Flugangebot, Netz und Vertrieb der Premiummarken zentral. Die Struktur soll Synergien schaffen und dazu beitragen, die angestrebte operative Ergebnismarge von acht bis zehn Prozent zu erreichen.

Das Management sieht erste Vorteile. Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter verweist etwa auf den konzernweiten Starlink-Rollout als Beispiel dafür, dass zentralisierte Entscheidungen Prozesse beschleunigen können.

Zweifel am Projekt Nexus

Mehr Kritik löse das Projekt Nexus aus, berichtet das Handelsblatt. Dabei prüft Lufthansa, ob die Kernmarke, Lufthansa City Airlines und Discover Airlines Aufgaben wie die Einsatzplanung des fliegenden Personals gemeinsam organisieren können. Ziel sind niedrigere Kosten und weitere Synergien.

Kritiker fürchten jedoch, dass City Airlines und Discover dadurch jene Eigenständigkeit und Flexibilität verlieren könnten, auf denen ihr Geschäftsmodell beruht. Das Management betont dagegen, dass noch nichts beschlossen sei und beide Gesellschaften eigenständig bleiben sollen.

Manchen geht der Umbau nicht weit genug

Andere Führungskräfte halten die Zentralisierung wiederum für halbherzig, weil die Airlines weiterhin eigene Führungsgremien haben. Besonders in der Schweiz stößt eine weitergehende Verlagerung von Kompetenzen auf Widerstand.

Aufsichtsratschef Johannes Teyssen drängt unterdessen auf weitere Veränderungen. Lufthansa habe gegenüber den Branchenbesten "den Anschluss verloren", sagte er in einem internen Mitarbeiterinterview, das die FAZ aufgriff. Als "größtes Sorgenkind" gilt für ihn die Kernmarke Lufthansa Airlines.

Teyssen fordert größere Anstrengungen

Deren bereinigtes Ebit sank im ersten Halbjahr wegen Streiks und hoher Kerosinpreise auf minus 480 Millionen Euro. Das Sanierungsprogramm Turnaround soll das Betriebsergebnis bis 2028 um jährlich 2,5 Milliarden Euro verbessern.

Lufthansa sieht das Programm nach zwei Jahren im Plan. Teyssen fällt das Urteil zurückhaltender aus: Turnaround habe "noch nicht die Wirkung erbracht, die wir uns erhoffen". Größere Anstrengungen schließt er deshalb nicht aus. Zwei Drittel der Verbesserungen sollen über Einsparungen, ein Drittel über höhere Erlöse kommen.

Auch kulturell sieht Teyssen Veränderungsbedarf. Lufthansa sei "viel deutscher, als ich erwartet habe", sagte der frühere Eon-Chef. Er plädiert für eine internationalere Unternehmenskultur und mehr Englisch im Konzern.