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Lufthansa will Lissabon zum siebten Drehkreuz machen

Die Lufthansa Group und die portugiesische Regierung haben den Vertrag über den Einstieg bei TAP Air Portugal unterzeichnet. Für zunächst 44,9 Prozent der Anteile zahlt Lufthansa 1,025 Milliarden Euro. Die Beteiligung könnte auf 49,9 Prozent steigen. Lissabon soll das siebte Drehkreuz des Konzerns werden. Der Abschluss der Transaktion muss noch von der EU-Kommission genehmigt werden.

An der Vertragsunterzeichnung am Flughafen Lissabon nahmen Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Portugals Ministerpräsident Luís Montenegro teil. Der vereinbarte Kaufpreis soll vollständig aus vorhandenen liquiden Mitteln finanziert werden. Zunächst wird eine Anzahlung von bis zu 30 Millionen Euro fällig.

Die Lufthansa Group kann ihre Beteiligung auf bis zu 49,9 Prozent erhöhen, wenn sie zusätzlich die zunächst den TAP-Mitarbeitern angebotenen Anteile übernimmt. Einschließlich einer vertraglich vereinbarten Preisanpassung, der sogenannten Ticking Fee, könnte der Gesamtkaufpreis auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen.

EU-Kommission muss Übernahme genehmigen

Der Vollzug des Anteilserwerbs steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Insbesondere die Europäische Kommission muss der Transaktion zustimmen. Die europäischen Wettbewerbshüter werden dabei unter anderem mögliche Überschneidungen im Streckennetz sowie Start- und Landerechte prüfen.

Langfristig strebt Lufthansa eine Mehrheitsbeteiligung an TAP an. Auch Portugals Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz brachte einen vollständigen Verkauf der Fluggesellschaft erneut ins Gespräch.

Nach Berechnungen des Lufthansa-Konzerns könnte die Zusammenarbeit Synergien von bis zu 450 Millionen Euro ermöglichen. Ein Großteil davon lasse sich bereits mit einer Minderheitsbeteiligung realisieren. Eine Mehrheitsübernahme würde nach Einschätzung des Unternehmens zusätzliche Wachstums- und Einsparmöglichkeiten eröffnen.

Lufthansa will Geschäft mit Lateinamerika ausbauen

Strategisch ist TAP für Lufthansa vor allem wegen ihrer Verbindungen nach Brasilien und Lateinamerika interessant. Der deutsche Konzern kommt im Luftverkehr zwischen Europa und Lateinamerika bislang auf einen Marktanteil von rund neun Prozent. Gemeinsam mit TAP würde dieser rechnerisch auf etwa 20 Prozent steigen.

"Unsere Netzwerke ergänzen sich ideal und eröffnen uns neben Portugal insbesondere in Südamerika und Brasilien neue Wachstumsperspektiven", sagt Lufthansa-Chef Spohr. Zugleich kündigt er an, die portugiesische Identität von TAP bewahren zu wollen.

Neben den Verbindungen nach Brasilien sollen auch die Strecken ins portugiesischsprachige Afrika und nach Nordamerika ausgebaut werden. Lissabon soll perspektivisch zum siebten Drehkreuz der Lufthansa Group aufsteigen. Weitere Schwerpunkte der Wachstumsstrategie sind Porto, die Azoren, Madeira und die Algarve.

Auch außerhalb des Flugbetriebs investiert der Konzern in Portugal. Im Juni erfolgte der Spatenstich für einen neuen Standort von Lufthansa Technik in Santa Maria da Feira bei Porto. Derzeit beschäftigt die Gruppe mehr als 500 Mitarbeiter in Portugal. Bis 2030 soll die Zahl der direkten Arbeitsplätze auf mehr als 1.000 steigen.