OAG sieht einen gemeinsamen Trend: Software übernimmt Aufgaben, bei denen Reisende oder Airlines bislang selbst suchen, vergleichen und auf Veränderungen warten mussten. Das soll Entscheidungen früher ermöglichen – von der Reiseplanung bis zum Umgang mit Störungen.
Ein Beispiel ist Metas KI-Agent Muse, der derzeit in den USA verfügbar ist. Reisende beschreiben ihre gewünschte Reise in natürlicher Sprache. Muse durchsucht über den Anbieter Duffel aktuelle Flugangebote und Preise von rund 500 Airlines. Buchungen, Stornierungen und Änderungen sind ebenfalls möglich, jede Zahlung muss vom Nutzer freigegeben werden.
United lässt die App nach freien Plätzen suchen
Konkreter auf Wartezeiten nach Flugstörungen zielt eine neue Funktion von United Airlines. Wird ein Passagier auf einen späteren Flug umgebucht, kann er sich über die App für bis zu drei frühere Verbindungen zum selben Ziel auf die Warteliste setzen lassen.
Der bestätigte Platz auf dem späteren Flug bleibt dabei bestehen. Die App überwacht im Hintergrund, ob auf einer früheren Verbindung ein Sitz frei wird, und informiert den Reisenden per SMS. Das ständige Aktualisieren der App oder der Gang zum Serviceschalter soll damit entfallen.
OAG sieht darin mehr als eine Komfortfunktion: Die Airline übernehme die Beobachtung einer Situation, für das bislang der Passagier zuständig war. Offen ist allerdings, wie oft auf stark ausgelasteten Flügen tatsächlich Plätze frei werden und nach welchen Kriterien die Warteliste abgearbeitet wird.
FAA will Verspätungen früher verhindern
Noch umfassender ist der Ansatz der US-Luftfahrtbehörde FAA. Sie testet im Raum Washington das System Smart, das rund 200 Datenquellen zu Wetter, Flugrouten, Verkehrsströmen und der Besetzung der Flugsicherung zusammenführt.
Das System soll nicht erst auf bereits entstandene Engpässe reagieren, sondern vorhersagen, wo sich Probleme entwickeln. Flugströme könnten dadurch bereits vor dem Abflug angepasst werden, bevor Warteschleifen oder Bodenstopps nötig werden. Die Entscheidung bleibt bei den Fluglotsen.
Der Test läuft zunächst 90 Tage. Noch ist nicht belegt, ob Smart Verspätungen insgesamt tatsächlich reduziert oder lediglich anders verteilt. OAG sieht den Versuch dennoch als wichtigen Schritt hin zu einer Luftverkehrssteuerung, die Probleme früher erkennt, statt erst auf bereits entstandene Störungen zu reagieren.
