Mit Sundeals zielt TUI auf einen Markt, den der Konzern auf rund 13 Millionen Buchungen pro Jahr beziffert. Etwa ein Drittel aller europäischen Pauschalreisen koste weniger als rund 750 Euro pro Person und Woche. Dieses Segment wolle TUI indes nicht unter seiner Kernmarke bedienen.
Marktforschungen hätten gezeigt, dass sich die TUI-Marke nicht ohne Weiteres in den günstigeren Bereich ausdehnen lasse, sagt Ltur-Chefin Beate Einhäuser. Die Marke dient technisch und auch im Hinblick auf das Geschäftsmodell als Vorbild für Sundeals. Der Konzern sehe TUI weiterhin als Mittelklasse- und Premiummarke, sagt sie. Eine Ausweitung ins Value-Segment könnte das über Jahrzehnte aufgebaute Markenvertrauen gefährden und mehr kosten als sie einbringe.
Flug und Hotel bilden die Basis
Mit Sundeals lanciert TUI deshalb eine eigenständige digitale Marke. Im Grundpreis stecken Flug und Hotel. Gepäck und Transfers müssen separat hinzugebucht werden. Zum Start stehen rund 20.000 Hotels in 100 Destinationen zur Auswahl, darunter Ziele in Spanien, Griechenland und der Türkei. Die Hotelangebote stammen aus drei Quellen: direkt eingekauften Kapazitäten, dem TUI-eigenen Wholesale-Angebot sowie von Bettenbanken und Channel-Managern.
Bei den Flügen greift Sundeals auf TUI sowie Drittanbieter zurück. Genannt werden etwa Easyjet, Ryanair, Vueling, Corendon, KM Malta Airlines und Sun Express. Der Schwerpunkt liegt auf Direktflügen auf der Kurz- und Mittelstrecke.
Kein Verkauf über Reisebüros
Die neue Marke arbeitet in Großbritannien ausschließlich im Direktvertrieb und wird nicht über Reisebüros verkauft. Der Kundenservice ist ebenfalls digital ausgerichtet und wird unter anderem per Live-Chat angeboten.
Als Grundlage für das Modell dient unter anderem die hierzulande etablierte Last-Minute-Marke Ltur. Sie ist seit fast 40 Jahren im Last-Minute- und Niedrigpreissegment aktiv und arbeitet mit dynamisch zusammengestellten Reisen, eigenen Einkaufskapazitäten sowie TUI-Produkten. Technologien, Einkaufsmodell und Know-how von Ltur fließen laut Einhäuser in das Sundeals-Konzept ein.
Zunächst soll sich das Konzept in Großbritannien bewähren. Anschließend plant TUI die Einführung in weiteren europäischen Märkten. Welche Länder als Nächstes folgen, will der Konzern noch nicht sagen.
Christian Schmicke
