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24. Februar 2021 | 07:00 Uhr
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Mailen

Briten buchen nach Lockerungsversprechen "wie verrückt"

Nachdem Premierminister Boris Johnson angekündigt hatte, ab Mitte Mai – vielleicht – wieder Auslandsreisen zu erlauben, verdreifachten sich die Flugbuchungen bei Easyjet und die Urlaubsbuchungen bei TUI versechsfachten sich. Das half den Börsenkursen der Airline- und Touristikaktien, obwohl die Datenbasis für den Hype ziemlich dünn ist.

Liegestühle Strand

Flugbuchungen aus Großbritannien seien in den Stunden nach der Rede von Johnson um 337 Prozent im Vergleich zur Vorwoche angezogen; Urlaubsbuchungen sogar um 630 Prozent meldete Easyjet am Dienstag. Gefragt seien Ziele in Spanien wie Malaga, Alicante und Palma, Faro in Portugal sowie in Griechenland, wie etwa die Insel Kreta. Auch TUI zählte im Königreich über Nacht einen Buchungsanstieg um 500 Prozent.

Steigende Aktienkurse

An der Londoner Börse legten die Aktien der Konzerne am Dienstag zwischenzeitlich kräftig zu. Der britisch-spanische Luftfahrtkonzern IAG und TUI stiegen um sechs Prozent, Easyjet gewann mehr als neun Prozent. Bis zum Abend hatten die Papiere rund die Hälfte ihrer Tagesgewinne allerdings wieder abgegeben.

Klar, Airlines und Reiseveranstalter müssen alle Hoffnungen in die Sommer-Reisesaison setzen. Gleichwohl ist noch unklar, wie die britische Regierung weiter mit den Reisewarnungen verfährt Bislang gilt noch ein Verbot für die meisten Reiseziele bis 17. Mai. Für den 12. April hat die Regierung eine Neubewertung angekündigt. Fluggesellschaften und Reiseveranstalter hoffen, dass dann auch die zehntägige Quarantänepflicht nach der Reiserückkehr entfällt. Außerdem müssten die Zielländer Einreiseverbote für Briten aufheben, die etwa Frankreich und Spanien wegen ansteckenderen mutierten Coronavirus-Variante in Großbritannien verhängt hatten.

300 Prozent von wieviel?

Zudem bleibt in den Erfolgsmeldungen der Unternehmen, wie so oft, ein entscheidender Faktor außen vor: Wenn in der vergangenen Woche das Buchungsvolumen sehr gering war, was nicht ganz unwahrscheinlich ist, dann würde selbst eine Verdreifachung oder Verfünffachung nicht dem erhofften Boom entsprechen. Wir erinnern uns: Anfang Dezember hatte Lufthansa einen Nachfrageschub für Flüge, etwa nach Südafrika und Namibia verkündet – ebenfalls ohne die Basis der "teilweise verfünffachten" Nachfrage offenzulegen. Bekanntlich entpuppte sich das Ganze durch ungünstige Fügungen als Strohfeuer.

So lange die Kernfakten fehlen, sind Erfolgsmeldungen wie diese ein nettes Instrument zur Pflege des Börsenkurses – mehr nicht. Das ist einerseits schade für TUI und Easyjet, hat aber den Vorteil, dass sich die Verbraucher in Deutschland – noch – nicht wirklich fragen müssen, ob ihnen die Briten bis Ende Februar sämtliche Urlaubsbetten am Mittelmeer weggeschnappt haben. Wenn Briten wie Kontinentaleuropäer bei ihrem jetzigen Impftempo bleiben, wird das Thema gleichwohl bald von interessierten Kreisen noch mal auf den Tisch kommen, nach dem Motto: "Buchen Sie jetzt, bevor Engländer, Schotten & Co. ihr Handtuch schon auf Ihrer Liege haben". Wetten?

Christian Schmicke

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