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18. Dezember 2020 | 16:34 Uhr
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Während klassischen Urlaubsaktivitäten wie alpiner Skilauf und Hotelaufenthalte drastische Einbußen verzeichnen, erreicht der Verkauf von Tourenski-Ausrüstungen und Wohnmobilen ein Rekordniveau. Wetten, dass viele der neuen Individualisten den Spaß daran schnell verlieren?

Tourenski

Tourenski sind in diesem Winter ein Verkaufsrenner

Die Zahlen sind eindeutig: "Zehn Paar verkaufte Tourenski kommen auf ein Paar Alpinski", zitiert die Nachrichtenagentur "DPA" Stefan Herzog, den Präsidenten des Verbands Deutscher Sportfachhandel. Der Bereich Tourenski liege mit knapp 50 Prozent im Plus, der Langlauf bewege sich auf dem Niveau des Vorjahres. Dagegen brach der Absatz klassischer Alpinski mangels absehbarer Nutzungsmöglichkeiten ein.

Einen nie zuvor gesehenen Boom erleben auch Wohnmobile. 4.900 davon seien allein im Oktober zugelassen worden – 88 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, meldet das Statistik-Portal Statista. Seit Mai seien die Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen rasant angestiegen.

Massenhaft raus aus der Masse

Beide Entwicklungen folgen derselben Idee: raus aus der Masse, rein in ein Reise- und Freizeiterlebnis, das von Dienstleistern weitgehend unabhängig ist. Schon vor Corona erfreuten sich Skitouren ohne "Aufstiegshilfen" wie Sessellifte und Gondeln wachsender Beliebtheit. Bisweilen so sehr, dass die Skigemeinden von denjenigen, die am Rande der Skipisten nach oben stapften, genervt waren. Und auch die Zulassungszahlen für die nicht selten mehr als 100.000 Euro teuren Wohnmobile gehen seit Jahren nach oben.

Genau das macht es so wahrscheinlich, dass beide Trends schon bald einen Dämpfer erhalten werden. Denn getreu der Erkenntnis von Hans-Magnus Enzensberger, dass der Tourismus das zerstört, was er sucht, indem er es findet, konterkariert sich das Individualitätsstreben von Tourengehern und Wohnmobilisten selbst.  

So meldet "DPA", am vergangenen Wochenende sich hätten sich Tausende auf den Pisten des Skiorts Garmisch-Partenkirchen getummelt, obwohl kein einziger Lift gelaufen sei. Tourengänger, Spaziergänger, Rodler. Einnahmen resultierten daraus freilich weder für die geschlossenen Lifte noch für die ebenfalls geschlossene Hotellerie oder Gastronomie. Die Konsequenz: Seit dem 18. Dezember kostet das Parken dort 15 Euro.

Idee und Realtität 

Auch die Realität des Camper-Lebens entspricht meist nicht den Werbebildern, die die Gefährte einsam am Seeufer zeigen. Stattdessen müssen sich viele mit vollen Campingplätzen und Parkplätzen vertraut machen. Auch in beliebten Urlaubsregionen von Portugal bis Skandinavien verschärfen die Behörden die Maßnahmen gegen "Wildparker".

Beim Phänomen Tourenski kommt hinzu, dass wohl viele Flachland-Tiroler unterschätzen, wie anspruchsvoll dieser Sport konditionell ist. Längst nicht jeder Alpinskifahrer schafft in der Höhenluft den 1.000-Meter-Aufstieg – und ist dann noch in der Lage, mit Anstand abzufahren.

Keine Frage: wenn Corona irgendwann vorbei ist, wir ein harter Kern an Wohnmobil- und Tourenski-Fans bleiben, der vermutlich größer ist als er es vor Corona war. Aber der Anteil derjenigen, die einsehen, dass ihre Investition ein bisschen voreilig war, wird nicht gering sein. Schon allein deshalb dürfte es sich lohnen, im übernächsten Jahr einen Blick in die Kleinanzeigenportale zu werfen, um ein Wohnmobil- oder Tourenski-Schnäppchen abzustauben.

 Christian Schmicke

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