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23. Februar 2021 | 07:00 Uhr
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Wie Singapur Geschäftsreisen kontaktlos machen will

Das Connect@Changi in der Nähe des Changi-Flughafens will ein Hotel- und Konferenzzentrum sein, in dem die Gäste unter anderem über Gegensprechanlagen durch Glasscheiben kommunizieren können. Das erspart ihnen die Quarantäne – allerdings bleibt einiges auf der Strecke, was persönliche Treffen sonst von Online-Konferenzen unterscheidet.

Connect@Changi

So sehen die konferenzräume im Conect@Changi aus

Die Anlage wurde in der vergangenen Woche eröffnet und verfügt zunächst über 150 Zimmer und 40 Tagungsräume, die jeweils Platz für bis zu 22 Personen bieten. Später soll das Hotel sogar auf 660 Zimmer und 170 Besprechungsräume erweitert werden. Als vorübergehendes Phänomen sehen die Initiatoren diese Art von Tagungsort nicht. Sie glauben allen Ernstes, dass so die "neue Normalität" aussieht.

"Clean" von vorne bis hinten ist die angebotene Alternative für geschäftliche Meetings ohne Frage. So müssen Geschäftsreisende müssen vor der Anreise einen negativen Covid-19-Test vorweisen. Bei Ankunft wird ein weiterer Test verlangt. Bis die Ergebnisse vorliegen, müssen die Gäste auf ihren Zimmern bleiben. Je nach Aufenthaltsdauer werden die Tests in regelmäßigen Abständen wiederholt. Sind die Tests negativ, dürfen sich die Gäste frei im Komplex bewegen.

Kommunikation via Gegensprechanlage 

Die Besucher können dann persönliche Geschäftstreffen mit Einheimischen in Konferenzräumen abhalten, in denen Glasscheiben die Menschen auf beiden Seiten voneinander trennen. Kommuniziert wird mittels einer Gegensprechanlage. Auch vor sogenannten Schmierinfektionen sollen die Besucher geschützt sein. Müssen zum Beispiel Dokumente unterschrieben werden, werden diese zuvor desinfiziert, bevor sie von einer Seite auf die andere gelangen. Für die Verpflegung steht vor jedem Zimmer ein Regal, auf dem die Hotelmitarbeiter Speisen abstellen können, ohne mit den Gästen in Kontakt treten zu müssen. 

Dass bei diesem Konzept Ausflüge in die Stadt ausgeschlossen sind, versteht sich von selbst. Allerdings fehlen auch weitere Elemente, die nicht selten für den Erfolg oder Misserfolg von Geschäftsreisen ausschlaggebend sind. So können Gastgeber und Gäste zwar getrennt durch Glaswände mit einander speisen. Locker zusammenstehen, um im Plausch etwa einige vielleicht nicht ganz unwichtige Nebenaspekte einer geplanten Zusammenarbeit zu erörtern, lässt es sich aber kaum. Auch vertrauliche Gespräche ohne unerwünschte Zuhörer aus den jeweiligen Delegationen dürften sich unter den gegebenen Voraussetzungen als schwierig gestalten.

Lohnt sich die Reise?

Keine Frage: Connect@Changi könnte ein Weg sein, um auch unter Pandemie-Bedingungen persönliche geschäftliche Kontakte zu ermöglichen. Ob das kontaktfreie Gespräch durch die Glasscheibe, das so manchen an Besuchsszenen in Gefängnissen erinnern mag, gegenüber den mittlerweile etablierten Videokonferenzen tatsächlich so viele Vorteile bietet, dass es sich lohnt, sich auf die Reise zu machen, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Christian Schmicke  

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