Abenteuer Manitoba: Von Menschenrechten und Eisbären
Manitoba verbindet urbane Kultur und Naturerlebnisse. In Winnipeg warten Kunst, Street Art und das eindrucksvolle Museum for Human Rights. Nationalparks wie Riding Mountain locken mit Bären, Elchen und Seen, im Norden faszinieren isländische Wurzeln, Belugawale und die Eisbären von Churchill. Ein Reiseziel für Entdecker – intensiv, authentisch und außergewöhnlich.
iStock/Olga Radzikh
Das Canadian Museum for Human Rights prägt die Skyline von Manitobas Hauptstadt, Winnipeg
Manitoba hat ähnliche Ausmaße wie Saskatchewan, Deutschland passt locker zweimal in die Provinz, die zusammen mit Saskatchewan das Herz Kanadas bildet. Hauptstadt der Provinz ist Winnipeg, mit immerhin rund 900.000 Einwohnern eine für kanadische Verhältnisse eine große Stadt und auf jeden Fall ein paar Tage wert. Es gibt eine bunte Kneipen- und Kunstszene und in alten Lagerhäusern haben sich zahlreiche Galerien eingerichtet.
Straßenkunst der besonderen Art können Besucher die Back Alley Arctic erkunden, wo übergroße Tiere aus der Arktis Garagentore schmücken. Die Künstlerin Kal Barteski hat zunächst das eigene Haus bemalt. Das gefiel den Nachbarn so gut, dass heute Eisbären, Robben, Eisfüchse und Belugas eine ganze Straße zieren.
Nationalpark vor den Toren der Provinzhauptstadt
Am Wochenende zieht es viele Städter in die Natur. In den Riding Mountain Nationalpark sind es Richtung Westen nur drei Stunden. Dort wartet die einheimische Tierwelt mit Bären, Bibern, Bisons und Elchen. In der Siedlung Wasagaming, die von großen Bäumen gesäumt ist und direkt am Clear Lake liegt, gibt es hübsche kleine B&Bs, Inns und Cabins sowie Boutiquen und Shops mit Kunsthandwerk. Den Park können Besucher zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Kanu oder mit dem Auto erkunden – ein sehr entspannendes Erlebnis.
Winnipeg widmet Menschenrechten ein spektakuläres Museum
Schon das monumentale Gebäude selbst hinterlässt einen bleibenden Eindruck und prägt das Stadtbild von Winnipeg. Das 2014 eröffnete Canadian Museum for Human Rights (Foto unten) lockt jedes Jahr mehrere hunderttausend Besucher in die Provinzhauptstadt. Im Inneren geht es um Menschenrechte weltweit, etwa um den Völkermord in Ruanda, den Holocaust sowie die Vertreibung und Ermordung indigener Völker – auch in Kanada. Die düsteren Ereignisse werden multimedial und mithilfe von Originalutensilien dargestellt. Die Besucher steigen aus der Dunkelheit der Verbrechen hinauf zum Licht. Dort keimt Hoffnung – von Mahatma Gandhi bis zur Charta der Vereinten Nationen.
Kanadas leidvolle Geschichte mit Ureinwohnern
Wer sich für Kanadas leidvollen Umgang mit seinen Ureinwohnern interessiert, erhält im kleinen Ort Keeshkeemaquah westlich von Winnipeg einen bewegenden Eindruck. Noch bis in die 1990er Jahre wurden Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren aus indigenen Familien geholt und in meist von der Kirche betriebene Residential Schools gesteckt. Ihnen sollte ihre Sprache und Kultur ausgetrieben werden. Wer nicht gehorchte, wurde geschlagen, viele wurden missbraucht, Tausende starben und wurden in Massengräbern verscharrt.
Erst im Jahr 2008 hat sich die kanadische Regierung für die Gewalt an den Ureinwohnern entschuldigt und um Verzeihung gebeten. Die ehemalige Residential School in Keeshkeemaquah ist heute ein Museum, das an dieses dunkle Kapitel der kanadischen Geschichte erinnert. Indigene, die hier leben mussten, erzählen ihre Geschichte – flankiert von originalen Möbeln, Kleidern und persönlichen Gegenständen der betroffenen Kinder.
Auf den Spuren der Wikinger am Lake Winnipeg
Die Fahrt von Winnipeg Richtung Norden führt in eine andere Welt. Das Örtchen Gimli erinnert mit seinen Wikinger-Statuen und -Symbolen an die isländischen Einwanderer, deren Nachkommen sich im 19. Jahrhundert hier angesiedelt haben. Gimli liegt am Lake Winnipeg, der mit einer Länge von 400 Kilometern fast wie ein Binnenmeer wirkt. Tatsächlich gibt es hier auch einen Sandstrand, den Gimli Beach mitten im Ort (Foto oben). Im Sommer gehen Besucher hier schwimmen, im Winter ist der See zugefroren.
Noch etwas weiter im Norden wird die Geschichte der Einwanderer greifbar. Auf Hecla Island ließ sich 1876 eine isländische Gemeinde nieder, um nach Hungersnöten und Naturkatastrophen einen Neuanfang zu wagen. Mitte des vergangenen Jahrhunderts verließen sie die Region wieder. Zurück blieb die Siedlung Hecla Village mit ihren jahrhundertealten Häusern, die heute als Museum und Lehrpfad von den isländischen Wurzeln erzählen.
Zu Besuch bei Eisbären und Belugawalen
Manitobas bekannteste Attraktion ist der kleine Ort Churchill an der Hudson Bay. Er gilt als die Eisbären-Hauptstadt der Welt. Im Herbst versammeln sich die sonst als Einzelgänger lebenden weißen Riesen in und um das Städtchen und warten darauf, dass die Hudson Bay endlich zufriert. Dann sind die Eisbären wieder weg. In diesen wenigen Monaten herrscht Hochsaison für Touristen, die einfliegen oder die 1.000 Kilometer von Winnipeg aus mit dem Zug zurücklegen – ein einzigartiges, aber teures Erlebnis. In Churchill besteigen die Besucher riesige Tundra-Buggys (Foto oben), die sie sicher zu den Eisbären manövrieren und spektakuläre Fotos versprechen.
Wer im Sommer nach Churchill kommt, kann ein anderes Naturwunder erleben. Rund 5.000 Belugawale tummeln sich in der warmen Jahreszeit in der Bucht, um in den Mündungen des Churchill River und des Seal River ihre Jungen zur Welt zu bringen. Bei einer Tour mit dem Kajak oder Zodiac kommen Besucher den freundlichen und verspielten weißen Meeressäugern sehr nahe. Manch einer zwängt sich sogar in einen Neoprenanzug und lässt sich auf einer Matte zwischen den Belugas treiben – hautnahe Begegnungen garantiert.
Manitoba wird in Deutschland durch die Agentur Denkzauber repräsentiert. Karin Schreiber, Michaela Arnold und ihr Team kennen die kanadische Provinz von zahlreichen Reisen und unterstützen Veranstalter und Reisebüros mit ihrer Erfahrung. Manitoba ist im Programm vieler Veranstalter wie Dertour, America Unlimited, CRD oder Canusa. Flugverbindungen von Deutschland nach Winnipeg werden von Air Canada und ihren Partnern und von Condor in Verbindung mit Westjet angeboten.
Thomas Hartung