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17. März 2021 | 18:24 Uhr
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Mailen

Mallorca-Öffnung wird für die Touristik zur Nagelprobe

Seit dem Wegfall der Reisewarnung ziehen die Oster-Buchungen für Mallorca-Reisen steil an, Veranstalter hierzulande und die Hotellerie der Insel wittern Morgenluft. Zugleich erneuert die Bundesregierung ihren Appell, nicht zu reisen. Über Ostern wird sich zeigen, wie Pauschalreisen das Corona-Infektionsgeschehen beeinflussen.

Palma de Mallorca

Urlaub auf Mallorca ist ohne Quarantäne nach der Rückkehr möglich 

"Es stimmt nicht, dass Urlaub auf Mallorca Corona befeuert", sagte Finn Ackermann, Vertriebschef der Hotelkette Iberostar, der "Mallorca Zeitung". Dabei verwies er auf die im Februar veröffentlichte Studie des Robert Koch-Instituts, die die Pauschalreisen des vergangenen Sommers nicht in hohem Maße für den Anstieg der Pandemie im Herbst verantwortlich machte. Mit diesen RKI-Zahlen hatten auch der DRV und andere touristische Verbände mehrfach argumentiert.

Beim klassischen Hotelurlaub sei die Ansteckungsgefahr hingegen denkbar gering, da strenge Hygiene- und Sicherheitsprotokolle gelten und die Kontakte zu Einheimischen zumeist überschaubar seien, so Ackermann weiter. Spanienweit sei ihm kein Gast bekannt, der sich im vergangenen Sommer in einem Iberostar-Hotel mit dem Coronavirus angesteckt hätte.

Zwischen Jubel und Alarm

Ackermanns Position steht exemplarisch für die deutscher und mallorquinischer Touristiker, für die die Perspektiven im wichtigsten Auslandsreiseziel der Deutschen – zumal angesichts eines weiteren drohenden Lockdowns hierzulande – ein Hoffnungsschimmer sind. Zugleich wachsen die Befürchtungen, dass aus Deutschland mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von derzeit durchschnittlich 86 auf 100.000 Einwohner neue Infektionen auf die Urlaubsinsel und womöglich auch wieder zurückgetragen werden könnten.

Das befürchtet offenbar auch die spanische Regierung, die ihrerseits das überregionale Reisen im eigenen Land über die Oster-Feiertage unterbunden hat. Um Mallorca (Inzidenz: 21) und andere spanische Reiseziele vor importierten Infektionen zu schützen, verschärft sie die Einreisekontrollen. Nun müssen alle Reisenden aus dem Ausland nach der Ankunft am Flughafen ausnahmslos ihr negatives PCR-Testergebnis vorweisen. Bisher hatte die zuständige Gesundheitsbehörde Sanidad Exterior nur stichprobenartig überprüft, ob die von den Reisenden im "Spain-Travel-Health"-Formular hinterlegte Auskunft, über ein negatives Testergebnis zu verfügen, auch stimmt.

Die nächsten Wochen sind entscheidend

Deutschland diskutiert unterdessen über die Verantwortbarkeit von Mallorca-Reisen und eine Testpflicht für Reiserückkehrer aus Mallorca. Bayern und Niedersachsen sind für letzteres, Baden-Württemberg dagegen. Im "Handelsblatt" forderte am Montag ein Kollege, Mallorca-Reisen sollten verboten werden. Tourismusprofessor Jürgen Schmude warnt vor einem zweiten Ischgl. Zugleich freuen sich Tausende nach einem Jahr Pandemie über und auf die unverhoffte Urlaubsperspektive.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Wochen um Ostern zum Lackmustest für die Perspektiven organisierter Urlaubsreisen in den nächsten Monaten werden. Wenn das Infektionsgeschehen auf der liebsten Ferieninsel der Deutschen, ebenso wie die Corona-Infektionen unter Rückkehrern, auf niedrigem Niveau bliebe, obwohl die britische Corona-Mutation B.1.1.7 in Deutschland mittlerweile mehr als die Hälfte der registrierten Neuinfektionen ausmacht, wäre das ein schlagkräftiger Beleg für die Argumente der Branche. Kommt es anders, dann verdüstern sich die Perspektiven weiter.

Christian Schmicke

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