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14. Juli 2020 | 07:00 Uhr
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Maskenpflicht und Partys auf Balearen sorgen für Zündstoff

Seit Montag müssen Urlauber und Einwohner auch im Freien Masken tragen, zudem wird die Besucherzahl an den Stränden begrenzt. Meldungen von Partys ohne Abstand und Maske hatten am Wochenende für Schlagzeilen gesorgt, die Sorgen der Branche um den Fortgang der Saison wachsen.

Die Erwartungen an den Sommer waren ohnehin begrenzt. Nach Angaben des spanischen Fachportals "Hosteltur“ rechnet zum Beispiel der Hotelverband der Playa de Palma mit einer Auslastung von 37 Prozent im Juli und 35 Prozent im August. 57 Prozent der Hotels sollen bis Ende Juli ihre Pforten geöffnet haben.

Von nun an gilt auf den Balearen eine Maskenpflicht auch im Freien, mit Ausnahme von Stränden und von Lokalen beim Essen. Außerdem gibt es eine Kapazitätsbeschränkung für sämtliche Strände. So dürfen etwa die fünf Strandabschnitte der Playa de Palma gleichzeitig von maximal 27.600 Personen besucht werden, damit die Corona-Sicherheitsabstände eingehalten werden können. Rettungsschwimmer sollen von ihren Aussichtstürmen die Belegung der Strände kontrollieren. Zudem soll die App "Platges segures" (Sichere Strände) die Belegung dokumentieren. Sie zeigt an, ob es sich noch lohnt, einen bestimmten Strandabschnitt anzusteuern. Neben Schätzungen der Rettungsschwimmersollen dafür auch Registrierungen von Strandbesuchern über die App eine Grundlage bilden.

Warnung vor "zweitem Ischgl"

Meldungen von großen Partys auf Mallorca am Wochenende hatten sogar Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf den Plan gerufen, der am Montag in einer Pressekonferenz mahnte, der "Ballermann" dürfe "kein zweites Ischgl" werden. Dort hatten sich im Februar in den Party-Locations zahlreiche Skiurlauber mit dem Virus infiziert.

Auf Mallorca sorgt vor allem die Maskenpflicht, die wohl in erster Linie als Mittel der Disziplinierung des Feierpublikums anzusehen ist, für ein geteiltes Echo. Scharfe Kritik äußerte laut der "Mallorca Zeitung“ etwa der Unternehmerverband CAEB. Es sei kontraproduktiv, die Urlauber zu strengeren Maßnahmen zu zwingen als sie es in ihren Heimatländern gewohnt seien. Dies führe dazu, dass sie sich möglicherweise gegen eine Reise nach Mallorca entschieden. Es sei "sinnvoller, illegale Partys zu verhindern, als Abstand haltende Bürger mit einer Maske zu bestrafen", zitiert das Blatt den Verband.

Uneinigkeit über wirksame Maßnahmen

Der Verband der Kleinen und Mittleren Unternehmen (Pimem) hält laut "Mallorca Zeitung“ dagegen, klare und strenge Regeln seien notwendig, um das Image von Mallorca als sicheres Reiseziel zu stärken. Ganz anders bewertet Gabriel Escarrer Jaume, Chef der Hotelkette Meliá Hotels International, die Entscheidung. Er erklärte, sein Unternehmen habe nach dem Erlass der Verordnung "bereits deutliche Rückgänge bei den Buchungen" verzeichnet. Viele Urlauber würden sich nun für andere Destinationen entscheiden und die Balearen meiden. "So eine Maßnahme hätte vorher mit den Unternehmern abgesprochen werden", sagte Escarrer der "Mallorca Zeitung".  

Auflagen für Rückkehrer?

In Deutschland bahnt sich unterdessen eine weitere Debatte an. So brachte der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, im Deutschlandfunk eine zweiwöchige Quarantäne für deutsche Mallorca-Rückkehrer ins Gespräch. Unter Umständen sei das erforderlich, sagte er. "Ein verrückter Urlauber am Ballermann kann doch nicht hinterher seine ganze Community gefährden." Hier müsse man klare Grenzen setzen, so Montgomery: "Wer heute nach Mallorca fährt, der läuft durchaus Gefahr, wenn er wiederkommt, erst mal in Quarantäne zu müssen."

Nicht ganz so weit ging der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er fordert allerdings verpflichtende Corona-Tests für Mallorca-Rückkehrer. „Denkbar wäre: An Flughäfen müssten die Passagiere ihre Personalien hinterlegen und binnen weniger Tage einen Corona-Test nachweisen“, erklärte Lauterbach gegenüber der "Rheinischen Post".

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