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28. März 2026 | 11:11 Uhr
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Rechnungshofbericht entlastet geschassten TMV-Chef

Tobias Woitendorf (Foto), der 2025 aus dem Amt gedrängte Geschäftsführer des Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern (TMV), wird in zentralen Vorwürfen entlastet. Ein Prüfbericht des Landesrechnungshofs offenbart systematisches Versagen des Wirtschaftsministeriums bei der Vergabe von 37 Millionen Euro Fördermitteln.

Tobias Woitendorf

Aus dem Amt gedrängt: Tobias Woitendorf, der 18 Jahre lang für den Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern tätig war

Ein Prüfbericht des Landesrechnungshofs, der Hotel vor9 und Reise vor9 vorliegt, kommt zu einem verheerenden Ergebnis: Zwischen 2022 und 2024 hat das Wirtschaftsministerium rund 37 Millionen Euro an sieben landeseigene Organisationen vergeben, darunter Biocon Valley, Invest in MV, die Landesenergie- und Klimaschutzagentur und den Tourismusverband MV (TMV). "Kein Zuwendungsverfahren war fehlerfrei", erklärte Rechnungshof-Präsidentin Martina Johannsen.

Anträge seien nicht oder unzureichend geprüft, Zuwendungsbescheide fehlerhaft ausgestellt und die Mittelverwendung nicht fristgerecht kontrolliert worden. Einige Empfänger erzielten Einnahmen aus Sponsoring oder Spenden, ohne dass das Ministerium davon wusste, was die Berechtigung der Förderzahlungen grundsätzlich infrage stellt. Die Prüfer attestierten den Verantwortlichen im Ministerium sogar "Fortbildungsbedarf" im Zuwendungsrecht.

Vorwürfe gegen Woitendorf erscheinen "mehr als rätselhaft"

Die Ergebnisse haben unmittelbare Auswirkungen auf den Fall des früheren TMV-Geschäftsführers Tobias Woitendorf und schlagen nun hohe Wellen. Dieser war im April 2025 unter massivem Druck des Ministeriums aus dem Amt gedrängt und der TMV sogar aufgelöst worden. Und zwar wegen angeblicher Fehler in genau jenen Förderverfahren, die der Rechnungshof nun als systemisches Versagen des Ministeriums selbst einstuft. Das Ministerium erstattete damals Strafanzeige, im Mai 2025 folgte eine Razzia wegen Subventionsbetrugs. Bis heute gibt es dazu aber kein Ergebnis, ein Fehlverhalten von Woitendorf wurde bislang nicht bewiesen, nur behauptet.

Das TMV-Präsidium, das ehrenamtliche Leitungsgremium des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, hält sich inzwischen nicht mehr zurück und bezieht klar Stellung pro Woitendorf: Die Landtagspräsidentin Birgit Hesse (SPD) und der CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller sehen Woitendorf laut Nordkurier in zentralen Punkten entlastet: Es sei "keinerlei Geld abhandengekommen", eine Zweckentfremdung habe nicht stattgefunden. 

Waldmüller erklärte laut Nordkurier, die Vorwürfe gegen Woitendorf erschienen im Licht des Rechnungshofberichts "mehr als rätselhaft". Man werde stattdessen die Verantwortung des Staatssekretärs prüfen müssen. Jochen Schulte (SPD) hatte seinerzeit öffentlich die Vermutung angestellt, Woitendorf habe mehr Gehalt bezogen als ihm zugestanden habe und den anerkannten Touristiker zur Auflösung seines Vertrags gedrängt. Später stellte sich heraus, dass Woitendorfs Bezahlung stets vertragskonform erfolgt war. Laut NDR fordert die AfD nun ein persönliches Eingreifen von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Sie müsse transparent machen, wer die Verantwortung für das Versagen im Wirtschaftsministerium trägt.

Pascal Brückmann

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