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19. Juli 2021 | 15:34 Uhr
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Spanien bangt um die Sommersaison

Sprunghaft steigende Corona-Neuinfektionen vor allem unter der jüngeren Bevölkerung, drohen die touristische Erholung des Landes zu torpedieren. Bereits jetzt brechen die Neubuchungen ein. Zögerliche Maßnahmen der Behörden gegen die fünfte Welle der Pandemie könnten die Sache verschlimmern.

Spanien Costa Brava Tossa de Mar Foto Kavalenkava Volha.jpg

In Katalonien, hier die Costa Brava, steigen die Infektionszahlen besonders stark an

Am Wochenende gab es mal wieder neue Rekordzahlen. Auf fast 43 Grad war das Thermometer auf mehreren Kanareninseln gestiegen, berichtet das kanarische Portal "Teneriffa News“. Auf den Balearen ist laut Medienberichten eine neue Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 40 Grad im Anmarsch. Auch auf dem Festland ist es heiß. In Katalonien führte das zu Waldbränden. Betroffen ist vor allem die Provinz Girona mit dem rund 5.000 Einwohner zählenden Ort Llançà. Dort wurden laut Medienberichten am Wochenende hunderte Urlauber von den Flammen in die Flucht getrieben.

Doch wirkliche Sorge bereitet spanischen wie auch deutschen Touristikern vor allem der massive Wiederanstieg der Corona-Infektionszahlen. Am Montag lag die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner, die vom Robert-Koch-Institut weiter als wesentliche Kennziffer für die Einstufung von Risikogebieten gesehen wird, bei knapp 350. Auf Mallorca liegt die Inzidenz aktuell bei 270, auf den Balearen insgesamt bei 290. In Katalonien hat sie die 500-er-Marke überschritten. Auf Teneriffa liegt die Inzidenz bei 420, auf Fuerteventura bei 300 und auf Gran Canaria bei 245. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie aktuell bei 10.

Zweites Quarantänehotel für Mallorca

Sicher: In der Hauptsache infizieren sich derzeit jüngere Menschen mit dem Coronavirus. Sie sind erstens meist noch ungeimpft und angesichts langer Monate mit Lockdowns und Kontaktbeschränkungen feierhungrig. Auch erkranken sie deutlich seltener schwer als ältere Semester. Deshalb sind die Krankenhäuser und Intensivstationen des Landes bislang nicht überlastet. Gleichwohl verschlechtert sich die Lage und die Zahl der Touristen, die sich in Quarantäne begeben müssen, steigt. So wird auf Mallorca im August mit dem Hotel Pabisa Sofia ein zweites Quarantänehotel mit 272 Zimmern eröffnet – in der Erwartung, dass die "Nachfrage" die Kapazität des bestehenden Quarantänehotels Bellver bis dahin übersteigt.

"Plötzlicher" Buchungsrückgang

Deutsche Veranstalter und spanische Touristiker registrieren angesichts der wachsenden Unsicherheit einen Einbruch des im Juni noch starken Buchungsaufkommens. Es gebe einen "plötzlichen Rückgang" bei den Buchungen ausländischer Urlauber, zitiert nach Angaben der Nachrichtenagentur "DPA" der TV-Sender RTVE den Vizepräsidenten des spanischen Tourismusverbandes Exceltur, José Luis Zoreda. "Wenn sich die Corona-Zahlen weiter verschlechtern, schätzen wir, dass der Tourismus in diesem Sommerquartal einen Umsatz von 37,97 Milliarden Euro generieren wird, mehr als die 24,30 Milliarden im selben Zeitraum des Vorjahres, aber viel weniger als die 58,37 Milliarden des Jahres 2019", sagt dieser.

Droht die Hochstufung durch das RKI?

Dahinter steckt wohl vor allem die Sorge, dass Spanien schon bald vom Robert-Koch-Institut wieder als Corona-Hochinzidenzgebiet eingestuft wird. Dies zöge zum einen eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes nach sich und würde zum anderen dazu führen, dass nicht geimpfte Reiserückkehrer sich für fünf bis zehn Tage in Quarantäne begeben müssten. Da hätte fatale Folgen für das Land, in dem nach Recherchen der "FAZ" bereits sieben Millionen Menschen in einer Situation "schwerer materieller Entbehrung“ leben. Auf Mallorca und seinen Nachbarinseln lebt nach Berechnungen der Universität der Balearen sogar mehr als ein Viertel der Menschen in Armut.

Spanien versucht derzeit noch, der neuen Infektionswelle mit überschaubaren Gegenmaßnahmen Herr zu werden. So herrscht etwa in Katalonien eine nächtliche Ausgangssperre von 1 Uhr bis 6 Uhr. Innenbereiche von Clubs und Discos mussten wieder schließen. Auch auf Mallorca planen die Verantwortlichen neue Einschränkungen. So erwäge die Inselregierung ein nächtliches Versammlungsverbot und eine Wiedereinführung der Maskenpflicht im Freien, meldet die "Mallorca Zeitung“.

Christian Schmicke   

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