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12. Oktober 2016 | 11:57 Uhr
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VIR: Hoteliers mögen Online-Portale lieber als gedacht

Das angespannte Verhältnis zwischen Hoteliers und Online-Buchungsplattformen ist seit Jahren ein Thema, das weit über die Hotellerie hinaus seine Kreise zieht. Die Streitigkeiten um Bestpreisklauseln und hohe Provisionen machen den Online-Vertrieb in den Augen vieler Hoteliers vom Partner zum Gegner. Konflikte prägen die öffentliche Diskussion. Eine aktuelle Studie, die die Hochschule Heilbronn im Auftrag des Verbands Internet-Reisevertrieb (VIR) erstellt hat, zeichnet von der Zusammenarbeit ein anderes Bild. Sie hat ermittelt, dass 68 Prozent der Hoteliers ihrer Zusammenarbeit mit den OTAs einen hohen bis sehr hohen Nutzen beimessen. Das übrige Drittel bewertet die Kooperation als überwiegend nutzlos. 63 Prozent finden die Zusammenarbeit mit den Online-Agenten gut oder sehr gut.

Als Gründe für die Nutzung von Online-Portalen geben 78 Prozent der Hotels die Steigerung ihrer Auslastung an. 70 Prozent erhoffen sich eine bessere Auffindbarkeit, 69 Prozent wollen ihre Reichweite vergrößern. 20 Prozent nutzen die Online-Portale nur, weil sie keine geeignete Alternative sehen. Das viel diskutierte Thema der Ratenparität wird von rund einem Drittel als ernstes Problem betrachtet.

VIR-Vorstand Michael Buller ist von den Ergebnissen der Studie, die sein Lobby-Verband in Auftrag gegeben hat, erwartungsgemäß angetan. „Die Studie zeigt auf recht deutliche Weise, dass Hotels dem Vertrieb über die Online-Portale keineswegs hauptsächlich kritisch gegenüberstehen“, kommentiert er.

Klassische Buchungswege behalten die Nase vorn

Allerdings verdeutlicht die Befragung auch, dass die OTAs für die Hotels keineswegs den wichtigsten Vertriebsweg darstellen. Erheblich wichtiger sind Buchungen via Telefon oder Callcenter, per Brief, Fax oder E-Mail sowie über die eigene Website. Erst dahinter folgt die Vermittlung über Online-Portale. Und der Vertrieb über Reisebüros und Veranstalter ist nur für jedes vierte Haus von Bedeutung. Die eigene Website ist auch derjenige Kanal, dem mit 78 Prozent die meisten Hotelbetreiber eine wachsende Bedeutung voraussagen. Direkt dahinter folgt der Buchungsweg über Google mit 61 Prozent. Dass die Bedeutung der OTAs weiter zunimmt, damit rechnet hingegen nur jeder zweite Hotelier.

Der mit Abstand größte Kritikpunkt an den Online-Agenten sind die Provisionen, die sie fordern. Drei Viertel der Umfrageteilnehmer halten sie für zu hoch. 38 Prozent der Befragten regen sich über unflexible Buchungssysteme und rund ein Viertel über mangelhaften Support auf. Eine Abhängigkeit von den Hoteliers sehen dagegen nur neun Prozent als kritischen Faktor.

Als aussagekräftig kann die Untersuchung der Hochschule Heilbronn im übrigen vor allem für die unabhängige Privathotellerie ohne Anbindung an eine Kette oder Marketingkooperation gelten. 87 Prozent der Teilnehmer sind diesem Genre zuzurechnen. Der Privathotellerie mit Markenanschluss ist mit zehn Prozent vertreten, die Kettenhotellerie mit drei Prozent.

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