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1. Juni 2026 | 11:44 Uhr
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Abschied von Statussysmbolen treibt Luxusreisemarkt an

Luxusreisen entfernen sich weiter von Statussymbolen und Sternekategorien. Oliver Kreipe, Leiter der Trainingsakademie Airtours & Friends, sieht Erlebnisse, Natur, Kulinarik, Wellness und Gemeinschaft als zentrale Treiber. Der Trend komme der Touristik entgegen, weil Reisende ihr Geld stärker in Erfahrungen investierten, sagt er im Reise vor9 Podcast.

Luxus Overwater Bungalow Foto iStock mvaligursky.jpg

Privatsphäre ist für immer mehr Luxusurlauber ein wichtiger Aspekt bei der Auwwahl ihrer Reise

Luxus im Reisegeschäft definiert sich nach Einschätzung von Kreipe immer weniger über goldene Wasserhähne oder Hotelsterne. Der Leiter der Trainingsakademie Airtours & Friends beschreibt einen gesellschaftlichen Wandel weg von Statusgütern und hin zu Erlebnissen, die Identität und Selbstverwirklichung unterstützen.

Reisen profitierten nach seiner Einschätzung von dieser Verschiebung. Während große Luxusgüterkonzerne unter Druck stünden, gewinne die Touristik, sagt Kreipe im Reise-vor9-Podcast. Ein Erlebnis oder eine Reise werde Teil der eigenen Biografie. Das mache den Markt trotz Krisen weiter wachstumsstark, auch wenn das Geschäft volatil bleibe.

Drei Sehnsüchte prägen die Nachfrage

Seit der Pandemie sieht Kreipe drei starke Sehnsüchte im Markt. Die erste nennt er „Robinson-Feeling“: raus aus Krise, Alltag und weg von Nachrichten. Gefragt seien Inselresorts, Wildnis, Weite und Naturerlebnisse, etwa in Kanada, Südafrika oder Skandinavien.

Die zweite Sehnsucht richtet sich in die Vergangenheit. Nostalgie sei ein großer Trend, sagt Kreipe. Reisende kehrten gern an Orte zurück, mit denen sie gute Erinnerungen verbinden. Diese Suche nach einer vermeintlich heilen Welt zeige sich nicht nur im Reisen, sondern auch in Mode und Gastronomie.

Drittens wächst nach Kreipes Einschätzung die Bedeutung von Gemeinschaft. Familie habe seit Covid eine Renaissance erlebt. Das spiegele sich in der Nachfrage nach großen Suiten, Villen und Mehrgenerationenurlaub wider.

Standard muss nicht stören

Standardisierung und Luxus schließen einander laut Kreipe nicht aus. Entscheidend sei, dass Kunden eine nahtlose Reise erleben. Gerade weil Flughäfen voll und Flüge gut gebucht seien, müssten Anbieter Reibungspunkte vermeiden.

Dazu gehören aus seiner Sicht höhere Flugklassen, Limousinentransfers, Airport-Lounges und Fast Tracks. Reisebüros sollten solche Bausteine nicht erst auf Nachfrage anbieten, sondern die Reise vorausdenken. Wer Luxus verspreche, müsse mögliche Hürden vorab erkennen.

So könne auch ein standardisiertes Produkt aufgewertet werden. Die Aufgabe des Vertriebs liege darin, Komfort, Entspannung und Erlebnisdichte zu erhöhen.

Kulinarik bleibt Entscheidungsfaktor

Gastronomie zählt Kreipe zu den wichtigsten Treibern im Luxussegment. Fine Dining, kulturelles Sightseeing, Shopping und Wellness gehörten zu den zentralen Aktivitäten von Luxuskunden.

In der Hotellerie habe sich die Kulinarik stark weiterentwickelt. Japanische Küche sei heute fast Pflicht bei Neueröffnungen. Sterneköche, Gastköche und Kochkurse prägten das Angebot. Private Dinner am Strand, auf Sandbänken, Felsen, im Garten oder in der eigenen Villa seien für Resorts wichtige Erlebnisbausteine.

Auch Wellness und Longevity sieht Kreipe nicht als kurzfristigen Hype. Gesundheit, Schlaf, mentale Balance, Kältekammern, Sauerstofftherapien oder Genanalysen seien in der Luxushotellerie angekommen. Die Pandemie habe dem Thema zusätzlichen Schub gegeben.

Reisebüros müssen Wünsche vorwegnehmen

Für Reisebüros liegt der Schlüssel im Luxusverkauf nicht darin, jedes Luxushotel der Welt aus eigener Erfahrung zu kennen. Entscheidend sei, die Reise so zu gestalten, dass Kunden möglichst wenig Hindernisse erleben.

Kreipe rät Beratern, sich mit Produkten, Lifestylemedien und Trends zu beschäftigen. KI könne bei der Recherche helfen. Persönliche Produkterfahrung bleibe wertvoll, etwa um Fast Track oder Butler-Service einschätzen zu können.

Der deutsche Reisevertrieb sei im Luxussegment stark aufgestellt, sagt Kreipe. Als Herausforderung sieht er vor allem den Nachwuchs. Junge Berater müssten stärker für das Segment gewonnen werden, weil Luxusreisen viel Fachwissen, Kreativität und Freude am Produkt verlangten.

Christian Schmicke

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