Adrian Lindner will mit Hotelgruppe zurück auf Erfolgsspur
Die Lindner Hotel Group, eine der letzten familiengeführten Hotelmarken in Deutschland, hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinter sich. Der neue CEO Adrian Lindner (Foto) spricht im Interview mit unserer Redaktion über eigene Fehler, den Rückkauf des Unternehmens durch die Enkelgeneration und seine Pläne für die Zukunft.
Lindner Hotel Group
Adrian Lindner hat das Ruder bei den Lindner Hotels als CEO übernommen
Die Lindner Hotel Group hat schwierige Monate hinter sich. Das Unternehmen durchlief ein rund zehn Monate dauerndes Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Nach Abschluss und Zustimmung der Gläubiger übernahm Adrian Lindner, heute 36 Jahre alt und Enkel des Firmengründers, die Rolle des CEO.
Im Interview mit Hotel vor9 wählt Lindner ungewöhnlich offene Worte. "Wir haben viel Schaden angerichtet", sagt er rückblickend über die Insolvenz. Andere Unternehmen hätten die Marktherausforderungen gemeistert, Lindner nicht. Die schwierigste Phase habe bereits vor dem Verfahren begonnen. Ab Dezember 2024 sei er tief ins operative Geschehen eingestiegen und habe erkannt, dass die Lage ernst war. Die Entscheidung zur Insolvenz sei eine Niederlage gewesen, gleichzeitig aber auch eine Erleichterung. "Bis zum letzten Tag weiß man nicht, ob es klappt", sagt Lindner.
Die Familie investiert erneut, diesmal die Enkelgeneration
Doch trotz der angespannten Lage entschied sich die Enkelgeneration, das Unternehmen zurückzukaufen. Sie brachte 500.000 Euro frisches Stammkapital ein, hinzu kamen weitere Mittel zur Befriedigung der Gläubigerforderungen. Man habe intensiv diskutiert und abgewogen, am Ende aber habe die Überzeugung überwogen. "Wir gehen mit neuen Gesichtern einen neuen Weg", so Lindner.
In der Düsseldorfer Zentrale hat Lindner inzwischen deutlich umgebaut und zwangsläufig auch abgebaut. Die Zahl der Mitarbeiter im Headquarter sei von 110 auf unter 80 gesunken. Die Umsatzverantwortung liege in Folge einer Reorganisation wieder bei den Hoteldirektoren vor Ort. Bereichsübergreifende Taskforces und die Förderung jüngerer Mitarbeitender sollen das Unternehmen heute agiler machen.
30 Hotels und vier Marken als Basis für das neue Geschäft
Das Lindner-Portfolio umfasst aktuell 30 Häuser. Langfristig unterschriebene Projekte in Hamburg, Leipzig, Stuttgart und Osnabrück befinden sich aber bereits in der Pipeline. Lindner tritt derzeit mit vier Marken auf und dabei soll es auch bleiben: der Kernmarke Lindner Hotels & Resorts, der Boutique-Marke Me & All gemeinsam mit Hyatt, 7Pines im Luxusbereich und der L-Collection für exklusive Destinationen. Besonders bei Me & All sieht Lindner großes Wachstumspotenzial.
Gleichzeitig hält Lindner am personalintensiven Vier-Sterne-Segment der Lindner-Hotels fest, wie der CEO im Gespräch mit Hotel vor9 (lesen hier den 2. Teil des Interviews) berichtet. Die Häuser funktionierten, die Nachfrage sei da. Besonders das neue Denkquartier-Konzept für Mice-Veranstaltungen werde gut angenommen. Differenzieren wolle man sich künftig stärker über Ausbildung und Unternehmenskultur. Für das laufende Jahr geht Lindner von einem profitablen Ergebnis aus. Das erste Quartal habe man innerhalb des Budgets abgeschlossen.
Pascal Brückmann
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