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14. Juni 2021 | 07:00 Uhr
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Anex-Veranstalter fliegen im Sommer auf Sicht

Es gelte, auf den schlimmsten Fall vorbereitet zu sein und zugleich, sich bietende Chancen konsequent zu ergreifen, sagt Anex-Tour-Deutschland-Chef Murat Kızılsaç im Gespräch mit Reise vor9. Für Türkei-Buchungen will er eine Verdoppelung des Marktanteils erreichen.

Kızılsaç Murat

Murat Kızılsaç führt Anex Tour Deutschland seit 2018

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Die Erfahrungen seit März 2020 hätten gezeigt, dass seriöse Prognosen zu Buchungszahlen angesichts ständig wechselnder Rahmenbedingungen derzeit nicht möglich seien, sagt der Manager, der bei Anex Tour das Geschäft in sämtlichen Quellmärkten westlich von Russland und der Ukraine verantwortet. Zwar sieht er angesichts steigender Impfquoten, deutlich sinkender Inzidenzen und damit verbundener Reiseerleichterungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern Grund zur Hoffnung. So verzeichneten die drei Veranstaltermarken Anex Tour, Öger Tours und Bucher Reisen derzeit einen kräftigen Zuwachs bei den Buchungen für Juli und die Herbstmonate für Reisen in die Türkei, nach Spanien oder Griechenland. Doch das Geschäft sei weiter von großen Unsicherheiten begleitet.

Im Zuge der aktuellen Entwicklung hat das Unternehmen die Produktpalette feinjustiert. So hat Öger Tours nach den jüngsten Lockerungen neun Zielflughäfen in der Türkei ins Programm genommen, die nach Angaben des Veranstalters "für Touristen, aber auch für den ethnischen Reiseverkehr interessant“ sind. Bei Bucher Reisen wurde das Eigenanreise-Programm ausgebaut; vor allem in innerdeutschen Zielen an der Nord- und Ostsee, in den Mittelgebirgen und im Alpenraum. Zusätzliche Angebote in weiteren Autoreisezielen, wie Polen, Holland, Belgien, Schweiz, Kroatien und Norditalien, seien geplant, heißt es.

Fernreisen ab Winter wieder mit Chancen

Kurzfristig gehe es darum, Nachfragepotenziale abzuschöpfen, sagt Kızılsaç. Langfristig glaubt er indes, dass sich das Reiseverhalten der Bundesbürger wieder stark demjenigen vor dem Ausbruch der Pandemie annähern wird. "Die Lust auf Urlaub ist riesig, aber die Leute werden sich in den hiesigen Quellmärkten auf Europa konzentrieren", erklärt er. Wenn es gut laufe, könnte aber zum nächsten Winter eine stärkere Nachfrage nach Fernreisezielen einsetzen.

Auf diese will er die Veranstaltermarke Anex Tour, die bislang eher für Badeurlaub im Allgemeinen steht, im Zuge der Schärfung der Markenprofile von Anex, Öger und Bucher stärker zuschneiden. Schwerpunkt dürfte die Karibik sein, aber auch asiatische Ziele seien interessant, wenn die Bedingungen für einen touristischen Neustart dort klar seien, sagt Kızılsaç. Die Corona-Krise habe ihn erneut gelehrt, wie wichtig es sei, im Hinblick auf Zielgebiete breit aufgestellt zu sein. Deshalb solle auch des Ausbau des Autoreiseprogramms bei Bucher keine Eintagsfliege sein.

Bleiben die flexiblen Konditionen?

Noch ein bisschen bedeckt hält sich der Manager, wenn es um die Zukunft der flexiblen Buchungsbedingungen geht, die bei den Anex-Marken unter dem Begriff "Fair Tarif" firmieren. Vorerst für Buchungen bis Ende Juni zahlen Kunden bis zehn Tage vor Abflug keine Stornogebühr. Der Tarif ist nach wie vor nicht mit Zusatzkosten verbunden. Anfang Juni führte das Unternehmen einen Covid-Schutz ein, der Kunden vor Kosten bis zu 2.900 Euro im Quarantänefall vor Ort absichert. Ob das so weiter geht, hängt laut Kızılsaç in erster Linie vom Sicherheitsempfinden der Kundschaft ab. Zudem wird er wohl beobachten, wie die Konkurrenz künftig agiert. Jedenfalls kündigt er an, man werde das Thema Ende Juni intern erneut diskutieren. Denkbar wäre etwa, dass flexiblere Konditionen, wie bei anderen Anbietern auch, gegen Aufpreis angeboten werden.

Nichts Konkretes ist von dem Touristiker, der mittlerweile wieder viel zwischen seinen verschiedenen Quellmärkten unterwegs ist, zu erfahren, wenn es um die Zukunft der Marke Neckermann geht. Die Rechte daran hatte Anex Tour nach der Thomas-Cook-Pleite 2019 erworben. Technisch sei für den Neustart alles vorbereitet, sagt er nur. Und der könne „bald“ erfolgen. Welcher Zeithorizont damit gemeint ist und in welcher Form die ehemals große Veranstaltermarke Wiederauferstehung feiern soll, lässt er dagegen auch nach mehrfachem Nachfragen offen.

Christian Schmicke

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