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25. Oktober 2023 | 13:56 Uhr
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Australische Richter fällen Urteil zu Corona-Sammelklage

Die australische Niederlassung der Carnival Corporation ist zur Zahlung der Arztkosten einer Frau verurteilt worden, die an Covid-19 erkrankt war, berichtet das US-Portal Skift. Ein Richter entschied im Hinblick auf eine Sammelklage, dass das Kreuzfahrtunternehmen die Passagiere über Sicherheitsrisiken getäuscht hat.

Ruby Princess

An Bord der Ruby Princess kam es im März 2020 zu einem großen Corona-Ausbruch

Die Entscheidung des australischen Bundesgerichts ist nach Angaben der Anwaltskanzlei Shine Lawyers, die rund 1.000 australische Kläger in der Klage vertritt, der weltweit erste Sieg nach einer Sammelklage gegen ein Kreuzfahrtunternehmen. Der Richter befand, dass die Reederei die Passagiere über die Maßnahmen, die es zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Virus ergriffen hatte, in die Irre geführt habe und dass sie die Rückreise von Sydney nach Neuseeland im März 2020 hätte absagen müssen. Der Hauptklägerin Susan Karpik wurden umgerechnet 2.640 Euro für medizinische Auslagen, aber kein Schadenersatz zugesprochen.

Im Hinblick auf die Kommunikation mit den Passagieren vor der Abfahrt sagte der Richter, die Reederei habe "irreführende Zusicherungen gemacht, dass die Reise einigermaßen sicher sei", meldet das Portal Lawyers Weekly. In dem Urteil heißt es, dass Carnival die Passagiere vor dem erhöhten Risiko einer Ansteckung mit dem Virus hätte warnen, Vorsorgeuntersuchungen durchführen und die erkrankten Passagiere an Bord ab dem 11. März isolieren müssen.

Reederei prüft Urteil

Carnival Australia teilte mit, dass man das Urteil im Detail prüfe. Aus Gerichtsakten soll hervorgehen, dass die Reederei bestritt, vor der Reise gewusst zu haben, dass das Risiko, sich mit Covid zu infizieren, auf einem Kreuzfahrtschiff höher ist als an Land. Karpik, die zusammen mit ihrem Ehemann Henry Passagier auf der Ruby Princess war, hatte mehr als 200.000 Euro Entschädigung gefordert, unter anderem wegen der psychischen Belastung durch den zweimonatigen Krankenhausaufenthalt ihres Mannes, der durch die Corona-Erkrankung erforderlich wurde.

Höhere Summen zu erwarten

Laut Vicky Antzoulatos, der stellvertretenden Leiterin der Abteilung für Sammelklagen bei Shine Lawyers, wird Carnival wahrscheinlich mit einem höheren Schadenersatz rechnen müssen, wenn das Gericht die Ansprüche der übrigen Parteien, einschließlich der von Henry Karpik, prüft. "Im vorliegenden Fall geht es um den Ehemann von Frau Karpik, der wochenlang auf der Intensivstation lag und schwere Verletzungen erlitt", sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. Der Richter habe zwar festgestellt, dass Frau Karpik die Schwelle für Schmerzensgeld nicht erreicht habe, „aber andere Passagiere werden es tun“, so die Anwältin.

Auch US-Passagiere wollen klagen

Die Zahl der Kläger könnte sich weiter erhöhen, wenn der australische High Court entscheidet, dass etwa 700 US-Passagiere in die Sammelklage einbezogen werden können. Antzoulatos erklärte, eine Entscheidung in dieser Angelegenheit werde noch in diesem Jahr oder Anfang 2024 erwartet. Die Ruby Princess war laut Skift eine Zeit lang Australiens größte Einzelquelle für Covid-Infektionen, nachdem 2.651 Passagiere, von denen sich viele unwohl fühlten, das Schiff verlassen durften und so dazu beitrugen, das Virus im ganzen Land und international zu verbreiten. Letztlich wurden rund 900 Fälle und 28 Todesfälle mit dem Ausbruch in Verbindung gebracht. 

Eine öffentliche Untersuchung des Ausbruchs im Jahr 2020 war zu dem Schluss gekommen, dass die Gesundheitsbeamten des Bundesstaates New South Wales "unentschuldbare" Fehler gemacht hätten, als sie den Passagieren erlaubten, von Bord zu gehen.

Christian Schmicke

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