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17. März 2022 | 17:49 Uhr
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Bei Rewe ist Touristik künftig Chefsache

Obwohl der Handels- und Touristikkonzern Rewe den Vorstand um drei Mitglieder erweitert, findet sich dort ab Januar kein Vertreter mit touristischem Hintergrund mehr. Der Vorstandsvorsitzende Lionel Souque (Foto) übernimmt selbst. Was sagt das über den Stellenwert der Reisesparte im Rewe-Konzern aus?

Souque Lionel

Lionel Souque verantwortet das Touristikgeschäft bei Rewe künftig selbst

Vor dem Hintergrund des starken wirtschaftlichen Wachstums in den zurückliegenden Jahren sowie der Entwicklung und Integration neuer Geschäftsfelder, die insgesamt zu einem Umsatz der Rewe Group von über 75 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2020 geführt habe, erweitere der Kölner Handels- und Touristikkonzern seinen Gruppenvorstand um vier Neuzugänge, erklärt der Konzern in einer Mitteilung. Damit werde "die gruppenübergreifende Zusammenarbeit der Geschäftseinheiten weiter gestärkt und zusätzliche Synergien im Konzern geschaffen", heißt es weiter.

Dabei irritiert die Tatsache, dass die Touristiksparte keinen eigenen Vertreter mehr im Rewe-Vorstand hat, wenn Sören Hartmann sein Amt zum Jahresende niederlegt. Lionel Souque macht das Reisegeschäft zur Chefsache; zur Teilzeit-Chefsache sozusagen. Während das Einzelhandelsgeschäft in den letzten Jahren unbeeindruckt von der Corona-Krise weiter wuchs, fand sich die Touristiksparte im pandemiebedingten Krisenmodus. 2020 bilanzierte sie 1,3 Milliarden Euro Umsatz, nach fünf Milliarden im Vorkrisenjahr 2019. Das verdeutlicht, wie marginal die Reisesparte für den Konzern insgesamt ist, zumal selbst in guten Jahren die Margen in der Touristik dünn sind.

Investitionen ins Hotelgeschäft

Andererseits kann man nicht behaupten, dass Rewe die Touristik vor und während der Krise ausschließlich auf Sparflamme gehalten hätte. So ist DER Touristik nach den Übernahmen der Exim- und Fischer-Gruppen in Mittel- und Osteuropa sowie der Kuoni-Gruppe heute in 17 Quellmärkten vertreten und der zweitgrößte Reiseanbieter in Europa, wie Souque zum Ausscheiden von Hartmann anmerkte. Zudem stärkte die Gruppe das Hotelgeschäft mit Beteiligungen an Aldiana und den DSR Hotels.

Mit ihrem finanzstarken Investor im Rücken hat DER Touristik grundsätzlich gute Chancen, beim touristischen Neustart nach dem Ende vieler Corona-Auflagen ein gewichtiges Wort mitzusprechen. Zuletzt allerdings hakte es; Partner aus dem touristischen Vertrieb klagten offen über schlechte Erreichbarkeit und mangelnde Qualität beim Personal in den Servicecentern. Zudem scheinen IT-Probleme die Buchbarkeit zu behindern. CEO Ingo Burmester versprach Abhilfe. "Unsere Planung liegt bei mindestens 80 bis 90 Prozent des 2019er-Umsatzniveaus. Die Buchungseingänge liegen aktuell über Budget", sagte Burmester dem Fachblatt FVW; allerdings vor dem Ukraine-Krieg.

Strategische Fragen

Was der neue Cheftouristiker Souque mit DER Touristik vorhat, lässt sich bestenfalls erahnen. Das Manager Magazin schrieb über ihn 2017, er verzichte gern auf eine Krawatte, liebe moderne Kunst und habe ein Faible für Fußball, Handball, Basketball und Biathlon. Nach Abschluss seines Wirtschaftsstudiums habe ihn der Weg geradewegs zum Kölner Lebensmittelhändler geführt. Er gelte als umgänglich, heißt es. Der FAZ sagte er jüngst, er müsse sich zu Hause gegenüber seinen Töchtern dafür rechtfertigen, wenn er sein Unternehmen nicht schnell genug in Sachen Klimaschutz und Müllvermeidung vorantreibe.

In der Branche wird schon länger darüber spekuliert, welche Strategie Rewe hierzulande mit DER Touristik mittelfristig verfolgt. So wurde im Veranstalterbereich kräftig umstrukturiert und Aufgabenbereiche neu verteilt. Dertour wurde zur Leitmarke erklärt, die übrigen Marken werden aber weitergeführt. Nach wie vor leistet sich das Unternehmen mit Köln und Frankfurt in Deutschland zwei Standorte. Nach außen gibt Souque in dieser Hinsicht keinen großen Veränderungswillen zu erkennen. Er werde sich "auf die bewährten Strukturen und die starke Führungsmannschaft im In- und Ausland der DER Touristik Group stützen", unterstreicht er in einer Mitteilung.

Christian Schmicke

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