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12. Mai 2026 | 15:23 Uhr
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Bericht unterstreicht Krisen-Widerstandskraft des Tourismus

Der Tourismus erholt sich nach Krisen meist schneller und stärker, wenn Regierungen rasch handeln. Das ist die zentrale These eines Berichts des Welttourismusverbandes WTTC auf Basis von 100 Krisenfällen aus vier Jahrzehnten. Entscheidend seien nicht nur Art und Schwere der Krise, sondern auch politische Reaktion, Kommunikation, Liquiditätshilfen, Flugverbindungen und Diversifizierung.

Krise

Nach der Krise ist vor der Krise, doch in der Regel erholt sich die globale Reiseindustrie schneller als gedacht 

Das World Travel & Tourism Council (WTTC) sieht den globalen Tourismus als strukturell widerstandsfähig. In seinem Bericht wertet der Verband 100 größere Krisenfälle aus vier Jahrzehnten aus. Die zentrale Frage lautet, ob Tourismus zuverlässig aus Krisen zurückkommt und was das Tempo und die Stärke der Erholung bestimmt.

Die Antwort fällt deutlich aus: Erholung sei die Regel. Kein großes Reiseziel habe durch eine Krise dauerhaft seine touristische Struktur verloren, sofern ein stabiles politisches Umfeld bestanden habe, heißt es in der Zusammenfassung. Entscheidend sei weniger die Schwere des Schocks als die Qualität und Geschwindigkeit der politischen Reaktion.

Der Bericht erscheint im Mai 2026 vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken im Nahen Osten. Nach Einschätzung des WTTC sind die Lehren aus früheren Krisen auch deshalb relevant, weil internationale Luftverkehrsnetze und Drehkreuze direkt betroffen sein können.

Krisen werden oft zum Wendepunkt

Nach WTTC-Daten überschreiten Reiseziele nach dem Ende einer Krise häufig ihr früheres Niveau. Als Beispiele nennt der Bericht Tunesien und Nepal. Tunesien erreichte demnach 2018, drei Jahre nach den Anschlägen von 2015 in Port El-Kantaoui mit 39 Toten, mit 8,3 Millionen Ankünften einen Rekord. Nepal kam nach dem Erdbeben von 2015 binnen zwei Jahren zurück und erzielte 2017 Rekorde bei internationalen Ankünften.

Auch die Corona-Pandemie bestätigt aus Sicht des WTTC die Widerstandskraft des Sektors. Die internationalen Ankünfte brachen 2020 weltweit um 72 Prozent ein. Bis 2024 erholten sie sich auf 1,47 Milliarden. Die internationalen Besucherausgaben lagen real wieder bei 98,3 Prozent des Niveaus von 2019. Nach Darstellung des Berichts übertrafen Ankünfte und Besucherausgaben bis 2025 wieder die Werte von 2019.

Die Erholungszeiten unterscheiden sich je nach Krisentyp. Nach Naturkatastrophen reicht die Spanne von einem Monat bis sieben Jahren. Einzelne Terrorereignisse oder anhaltende Anschläge können zwei Monate bis vier Jahre nachwirken. Regionale Gesundheitskrisen benötigen laut WTTC zehn bis 35 Monate, politische Umbrüche zehn bis 45 Monate. Wirtschaftskrisen dauern meist ein bis zwei Jahre, globale Pandemien drei bis vier Jahre.

Diversifizierung mindert Krisenfolgen

Neben dem eingangs genannten politischen Forderungskatalog für Touristik und Luftfahrt betont der Bericht die Bedeutung struktureller Anpassung. Eine starke Abhängigkeit von wenigen Quellmärkten oder Produkten verstärke Krisenfolgen regelmäßig. Widerstandsfähige Reiseziele nutzten Krisen daher, um Märkte und Angebote breiter aufzustellen, Standards zu verbessern und Steuerungsstrukturen zu reformieren.

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