Bestfewo geht an Holidu, B2B-Geschäft bleibt eigenständig
Die Ferienhausmarke Bestfewo wechselt zum Münchner Technologieunternehmen Holidu, einem der größten europäischen Anbieter von Software und Marktplatzlösungen für Ferienunterkünfte. Die Bestfewo GmbH unter Geschäftsführer Dirk Föste konzentriert sich künftig auf den Channel-Manager und den Vertrieb über Reisebüros.
Bestfewo
Gehört ab sofort Holidu: das Endkundengeschäft und die Marke Bestfewo sind verkauft worden
Die Bestfewo GmbH und das Münchner Technologieunternehmen Holidu haben vereinbart, dass das gesamte Endkundengeschäft der seit 2008 bestehenden Ferienhaus-Plattform an Holidu übergeht. Konkret umfasst der Deal die Marke Bestfewo und die Domain bestfewo.de. Laut der offiziellen Mitteilung beider Unternehmen bleibt die Marke bestehen und wird eigenständig am Markt weitergeführt, technisch allerdings auf das Softwaresystem von Holidu migriert. Die Umstellung soll innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein.
Die rund 20 Mitarbeiter starke Bestfewo GmbH mit Sitz in Potsdam unter der Führung von Geschäftsführer Dirk Föste will sich künftig vollständig auf seine beiden B2B-Geschäftsfelder konzentrieren: den Channel-Manager und die Vertriebsplattform für Reisebüros. Die Kernmannschaft bleibe erhalten. Niemand wechsle zu Holidu. Da die Marke Bestfewo nun Holidu gehört, wird sich die Bestfewo GmbH in den kommenden ein bis drei Monaten umbenennen. Man habe bereits Domains reserviert und sammle Namensvorschläge, so Föste. Auf Verkäuferseite wurde Bestfewo von einem Team von Ennea Capital Partners um Simon Schiller, Maurice Lutz und Jan Valentin beratend begleitet.
Föste sieht den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg aus dem Endkundengeschäft
Dirk Föste begründet im Gespräch mit unserer Redaktion die Entscheidung für den Verkauf unter anderem mit den gestiegenen Kosten im Endkundengeschäft. Die Kundengewinnungskosten über Google hätten sich seit 2019 verfünffacht, erläutert er. Wer früher einen Euro pro Klick gezahlt habe, müsse heute fünf bis sechs Euro aufbringen. Dies sei von einem kleinen, zur Rentabilität verpflichteten Unternehmen in einem starken Wettbewerbsumfeld kaum noch zu leisten. Schon seit geraumer Zeit, so Föste, würde der Großteil der Erträge im Channeling und dem wachsenden Reisebürogeschäft erwirtschaftet.
Bei der Wahl des Käufers habe die Wertschätzung für die Marke eine zentrale Rolle gespielt. Es habe durchaus Interessenten gegeben, welche die Marke Bestfewo nach dem Kauf vom Markt nehmen wollten, berichtet Föste. Bei Holidu sei das anders. Man habe in gemeinsamen Workshops die Markenidentität erläutert, und Holidu wolle diese bewusst weiterleben lassen. "Man merkt, wie viel Respekt Holidu vor der erbrachten Leistung hat", sagt Föste. Mit dem erzielten Preis sei man sehr zufrieden.
Channel-Manager mit 500.000 Objekten als Kerngeschäft
Das Herzstück der künftigen Bestfewo GmbH ist der Channel-Manager. Über rund 270 Schnittstellen bezieht das Unternehmen Daten von etwa 450.000 bis 500.000 Ferienunterkünften. Darunter befinden sich laut Föste rund 50 Tourismusverbände – vom Schwarzwald bis zum Sauerland –, die ihre Objekte einspeisen. Die hauseigene Datenbank übernimmt dann das Content-Mapping: Bilder werden geprüft, Texte mittlerweile KI-gestützt angereichert, und uneinheitliche Objektmerkmale werden standardisiert. Im Ferienhausmarkt gebe es keine einheitlichen Datenstandards, erklärt Föste. Genau darin liege die Kernkompetenz seines Teams. Den bereinigten und optimierten Content spielt Bestfewo anschließend an rund 25 Plattformen aus, darunter Booking, Hometogo, Airbnb und Check24.
Reisebürovertrieb als zweites strategisches Standbein
Das zweite Geschäftsfeld, auf das sich die Bestfewo GmbH nun vollständig konzentriert, ist der Vertrieb über Reisebüros. Dieses Segment sei bereits vor seinem Einstieg eingeführt worden, berichtet Föste. In den vergangenen zwei Jahren habe man mehrere Mid-Office-Systeme angebunden, darunter Midoco, Bosys und Myjack, um auch größere Reisebüroketten bedienen zu können. Inzwischen buchten schätzungsweise 3.500 Agenturen regelmäßig über die Plattform.
Föste räumt ein, dass der Ferienhausvertrieb über Reisebüros ein "dickes Brett" sei. Viele Agenturen wüssten zunächst nicht, wie sie Ferienhäuser verkaufen sollten oder an wen. Doch diejenigen, die es verstanden hätten, verkauften gut und verdienten auch gutes Geld damit. Für die Reisebüros wird eine eigene Buchungsplattform bereitgestellt, die auf die spezifischen Suchkriterien und Anforderungen des stationären Vertriebs zugeschnitten ist.
Pascal Brückmann