Tägliche News für die Travel Industry

12. Juni 2020 | 14:34 Uhr
Teilen
Mailen

Bund sicherte ausländische Reedereien mit 25 Milliarden ab

Um die Existenz hiesiger Werften zu sichern, hat Deutschland den Reedereien über die KfW-Bank milliardenschwere Kredite gewährt und überdies die Auslieferung neuer Schiffe mit sogenannten Hermes-Deckungen versichert. Die Kredite wurden zuletzt gestundet, wie der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Norbert Brackmann, bestätigt.

Kreuzfahrtschiff Heck

Die Kreuzfahrtindustrie geriet in den Strudel der Corona-Pandemie

Gegenüber dem ARD-Magazin "Panorama" sagte Brackmann, 25 Milliarden Euro seien "im Feuer". Diese Summe setzt sich offenbar aus mehreren Posten zusammen. Ursprünglich hatte die KfW Reedereien wie Carnival und Royal Caribbean, aber auch dem Glücksspiel- und Kreuzfahrtkonzern Genting mit Sitzen in Hongkong und Singapur 2019 Kredite gewährt, die sich derzeit auf 7,6 Milliarden Euro summieren. Sie sollten unter anderem den Bau von 28 im Auftrag gegebenen, aber noch nicht ausgelieferten Schiffen in der deutschen Meyer Werft und an den Standorten der konkurrierenden MV Werften Rostock, Stralsund und Wismar absichern, die Genting gehören.

Mitte April hatte die Bundesregierung in Absprache mit anderen europäischen Ländern wie Frankreich und Italien, internationalen Kreuzfahrtreedereien laut "Panorama" einen Schuldenurlaub, einen "Debt Holiday", für ein Jahr gewährt. In dieser Zeit bräuchten die Unternehmen, ihre Schulden bei der KfW Ipex, einer hundertprozentigen Tochter der Staatsbank KfW, nicht zu tilgen. Nach Recherchen des Magazins wurde damit die Rückzahlung von 1,5 Milliarden Euro gestundet.

Angst vor Stornierungen und Pleiten

Mit der Stundung sollen die großen Reedereien davon abgehalten werden, ihre Schiffsbestellungen bei den Werften im niedersächsischen Papenburg und in Mecklenburg-Vorpommern zu stornieren. Im TV-Beitrag hatte sich Bernhard Meyer, Chef der Meyer Werft, skeptisch gezeigt, ob zur Auslieferung bestimmte Kreuzfahrtschiffe angesichts der völligen Flaute der Branche noch benötigt würden. „Einer meiner Kunden hat gesagt: 'ich brauche eigentlich Eure Schiffe überhaupt nicht'“, so der Inhaber des Familienunternehmens.

Zudem stehen weitere Forderungen der Industrie im Raum. So soll der Genting-Konzern, dem die MV-Werften in Wismar, Rostock und Stralsund gehören, eine eilige Geldspritze in Höhe von mindestens 600 Millionen Euro von der KfW gefordert haben. Auch Aida Cruises und die Meyer-Werft in Papenburg reihten sich in die Phalanx der Bittsteller ein. Laut "Panorama" hat die Meyer Werft mit der KfW einen frischen Kredit in Höhe von 200 Millionen Euro vereinbart.

Fass ohne Boden?

Der dritte große Batzen sind die Export-Garantien, über die deutsche Exporteure nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums vor "Forderungsausfällen im Zusammenhang mit auslandsbezogenen Transaktionen" geschützt werden sollen. Fallen die Kredite aus, etwa weil die Reedereien Insolvenz anmelden, zahlt also der deutsche Steuerzahler für die Schiffe. Im schlimmsten Fall wären dies 25 Milliarden Euro.

Die vielfältigen Hilfen für die Kreuzfahrtindustrie könnten sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie als Fass ohne Boden entpuppen, fürchten etwa Alt-Touristiker Walter Krombach und der frühere niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Denn wenn die Welt irgendetwas jetzt nicht benötige, seien es neue Kreuzfahrtschiffe.

Kennen Sie schon den täglichen Podcast von Reise vor9? Alles Wichtige für Reiseprofis in drei Minuten. Einfach mal reinhören:

Anzeige Reise vor9