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29. November 2021 | 14:07 Uhr
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Coronafälle im KLM-Flieger aus Südafrika werfen Fragen auf

Am Wochenende waren zehn Prozent von rund 600 aus Südafrika zurückkehrenden Passagieren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Wie konnten so viele Infizierte in den Flieger gelangen?

Amsterdam-Schiphol

Am Flughafen Amsterdam-Schiphol waren viele Reiserückkehrer aus Südafrika mit dem Coronavirus infiziert

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Südafrika, am Wochenende zum Virusvariantengebiet erklärt, hat eine niedrige Corona-Infektionsrate. Sie stieg zwar zuletzt, ist aber mit 21,6 immer noch weit von hiesigen Werten entfernt. Gleichwohl kehrten am Wochenende Reisende aus Südafrika in die Niederlande zurück und wurden positiv auf das Coronavirus getestet; 13 von ihnen hatten die jüngst sequenzierte Omikron-Variante im Gepäck.

Hätten die Behörden nicht wegen der jüngst entdeckten Coronavariante Omikron die Vorschriften geändert, wären wohl alle betroffenen Passagiere unerkannt eingereist. Denn bis dahin galten für geimpfte oder genesene Reiserückkehrer aus Südafrika in den Niederlanden, ebenso wie in Deutschland, keine Testauflagen. In der Annahme, sie seien ausreichend immunisiert, mussten sie weder vor noch nach dem Flug einen Test absolvieren. Denn die Coronaregeln der Airlines hängen von der Vorschriften der Start- und Zielländer ab.

Geringes Infektionsgeschehen in Südafrika

Das ist durchaus nachvollziehbar. Eher als für Deutschland oder die Niederlande hätte für Südafrika und die Nachbarländer im südlichen Teil des Kontinents Anlass zur Besorgnis bestanden. Schließlich schießen die Infektionszahlen in den Niederlanden mit einer Inzidenz von 918 und Deutschland mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 452 gerade in die Höhe.

Woher aber kommt dann der hohe Anteil Infizierter in den Fliegern aus Südafrika? Dass sich die Mehrheit der Betroffenen auf dem Flug selbst infiziert hat, halten Experten für unwahrscheinlich. Schließlich wäre das Virus dann in vielen Fällen unmittelbar nach dem Flug noch nicht nachweisbar gewesen. Auch der Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth verweist in einem aktuellen Beitrag für den Stern auf ein anerkanntermaßen geringes Infektionsrisiko an Bord von Flugzeugen.

Mehr Fragen als Antworten zu neuer Variante

Über die neue Virusvariante, mit der sich immerhin gut ein Fünftel der betroffenen Südafrika-Rückkehrer infiziert hatte, ist noch relativ wenig bekannt. Der Virologe Christian Drosten erklärte am Sonntagabend in der ZDF-Nachrichtensendung Heute Journal, er sei angesichts der neuen Variante mit zahlreichen Mutationen "sehr besorgt". Man wisse nicht allzu viel darüber. Berichte über milde Verläufe, die aus Südafrika eingetroffen seien, hätten noch nicht sehr viel Substanz angesichts von nur etwas mehr als 1.000 bislang registrierten Fällen. Hier müsse man die klinischen Verläufe abwarten. Seine größte Sorge, dass es sich hier um die erste wirkliche "Immunfluchtmutante" handeln könnte.

Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe "Evolution von Viren und Bakterien" an der Universität Basel, sagte der Tagesschau, es sei vorstellbar, dass die neue Omikron-Variante sehr übertragbar sei. Sie scheine sich in Südafrika gegen Delta durchzusetzen, so der Experte. Allerdings seien in Südafrika die Fallzahlen derzeit recht niedrig, was die Interpretation erschwere. Unter welchen Bedingungen sich diese Variante schneller übertrage als Delta, sei im Moment nicht klar.

Schärfere Regeln für Südafrika-Rückkehrer

Immerhin: Die Regeln für den Zutritt zu Flugzeugen sind in Südafrika verschärft worden. Auch doppelt geimpfte Personen dürfen nur noch mit einem negativen PCR-Test an Bord, zudem muss kurz vorher ein zusätzlicher Schnelltest negativ ausfallen. Dadurch wachsen die Chancen, infizierte Reiserückkehrer zu erkennen, deutlich. In Quarantäne müssen ohnehin alle Rückkehrer aus Virusvariantengebieten. Die sehr hohe Zahl Infizierter an Bord der jüngst eingetroffenen Amsterdam-Flieger bleibt gleichwohl rätselhaft.

Während etwa Lufthansa den Flugbetrieb mit Südafrika vorerst aufrecht erhalten will, um Deutschen die Rückkehr zu ermöglichen, hat etwa Qatar Airways angekündigt, ab sofort keine Passagiere aus fünf Ländern des südlichen Afrika mehr zu befördern. Kunden, die auf Qatar-Airways-Flügen von Luanda (LAD), Angola; Maputo (MPM), Mosambik; Johannesburg (JNB), Kapstadt (CPT), Durban (DUR), Südafrika; Lusaka (LUN), Sambia; und Harare (HRE), Simbabwe, gebucht seien, könnten ihre Flüge nicht antreten, heißt es. Es würden jedoch weiterhin Passagiere für Reisen in diese Länder unter Einhaltung der geltenden Beschränkungen akzeptiert, heißt es weiter.

Christian Schmicke

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