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9. März 2020 | 07:00 Uhr
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Das Coronavirus zwingt die Reiseindustrie in die Knie

Verunsicherung und Hysterie drohen Geschäftsreisen und Tourismus weltweit zum Stillstand zu bringen. Einreiseverbote für ganze Nationen mehren sich, das Risiko, unterwegs in Quarantäne zu stranden, steigt. Dermaßen verunsichert werden Reisepläne erst einmal gestoppt. Der DRV spricht von einem dramatischen Buchungseinbruch.

Coronavirus Rendering Foto iStock Gilnature

So sieht das Coronavirus in der Computersimulation aus, das den weltweiten Reisestrom zum Stillstand bringen kann

Die Hiobsbotschaften für die Reisebranche reißen nicht ab. In vielen Reisebüros, bei Veranstaltern und Kreuzfahrtunternehmen sind Neubuchungen eher die Ausnahme. Eine Mehrheit von Reiseunternehmen berichtet von Umsatzeinbrüchen bis 75 Prozent, so Norbert Fiebig, Präsident des Deutsche Reiseverbands (DRV), nach einer Umfrage unter 450 Mitgliedern.

Besserung frühestens im zweiten Halbjahr

"Die Menschen sind verunsichert und halten sich derzeit mit Buchungen zurück", sagte Fiebig der Deutschen Presseagentur. Ein Ende der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen sehen die meisten befragten Unternehmen frühestens im zweiten Halbjahr. Fiebig bleibt dennoch hoffungsvoll: "Urlaub hat bei den Deutschen einen sehr hohen Stellenwert, und daher setze ich auf ein starkes Last-Minute-Jahr."

Lufthansa will jedes zweite Flugzeug stilllegen

Doch Airlines müssen sofort auf Flugverbote und der Buchungseinbruch reagieren. Der Lufthansa-Konzern reagiert mit bislang nicht gekannter Konsequenz und kündigt an, in den nächsten Wochen könnte jedes zweite Flugzeug am Boden bleiben. „Darüber hinaus wird zurzeit geprüft, inwieweit die gesamte Airbus-380-Flotte (14 Flugzeuge) in Frankfurt und München temporär außer Dienst gestellt werden kann“, heißt es in einer Mitteilung.

Dies ist nicht allein Folge von verängstigten Passagieren. Immer mehr Staaten schließen ganze Nationen von der Einreise aus. Mit einem italienischen Pass etwa wird das Reisen zunehmend schwieriger. Einreiseverbote trafen bislang außerdem vor allem China, Südkorea und den Iran. Doch dabei dürften es bei steigenden Coronavirus-Fällen nicht bleiben.

Einreiseverbote treffen auch Deutsche

Als erstes Land hat Israel am Freitag Deutsche, Österreicher, Schweizer und andere Europäer mit Hinweis auf das Coronavirus ausgesperrt. Nun hat Uganda angekündigt, alle einreisenden Deutschen unter eine 14-tägige Quarantäne zu stellen. Wer als nächstes Land folgt, ist unklar. Immerhin gibt es in Deutschland über 1.000 registrierte Fälle. Daher rät das Auswärtige Amt, sich vor Abreise über mögliche verschärfte Einreisebestimmungen zu informieren.

Besonders hart trifft es derzeit die Kreuzfahrtanbieter. Immer mehr Schiffe können ihre geplanten Routen nicht mehr durchführen. Hafenbehörden weisen Megaliner mit tausenden Passagieren einfach ab oder lassen bestimmte Nationalitäten nicht an Land. Die malaysischen Behörden zum Beispiel, haben jetzt generell angekündigt, „Kreuzfahrtschiffen das Anlaufen malaysischer Häfen nicht mehr zu gestatten“, meldet das Auswärtige Amt.

3.000 Passagiere der "Grand Princess" kommen in Quarantäne

Jüngster Fall ist die „Grand Princess“, die seit einigen Tagen vor San Francisco liegt. Das Schiff hat 3.000 Passagiere an Bord und seit dem Wochenende die Gewissheit, dass darunter mindestens 21 mit dem Coronavirus infiziert sind. Das Schiff soll nun in Oakland festmachen und alle Passagiere und Besatzungsmitglieder an Land unter Quarantäne gestellt werden.

Thomas Hartung

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