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25. März 2020 | 15:21 Uhr
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Debatte um Gutscheinlösungen spitzt sich zu

Die Gutscheinlösung bei abgesagten Reisen sei keineswegs vom Tisch, betont der DRV und beruft sich auf Aussagen aus dem Bundeswirtschaftsministerium. In der Branche ist das Meinungsbild geteilt. Während mancher Veranstalter Gutscheine statt Rückzahlungen für den rettenden Strohhalm hält, sind Vertreter der Reisebüros skeptisch.

Absage

Auszahlen oder Gutscheine verteilen? Noch dauert die Diskussion an

Das Fachportal "FVW" zitiert eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums mit den Worten, man befinde sich dazu "in einem engen Austausch mit dem Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz". Eine Entscheidung sei nicht gefallen. Der DRV erklärte ebenfalls die Diskussionen liefen auf nationaler sowie auf europäischer Ebene weiter.

In einem offenen Brief an die Bundesregierung ruft der Veranstalter Uhambo e Africa, ein Spezialist für Reisen in des südliche und östliche Afrika, mit eindringlichen Worten dazu auf, "die verpflichtenden vollständigen Rückzahlung der Reisekosten für derzeit nicht durchführbare Reisen aufzuheben“. Durch den kompletten Stopp sämtlicher Reiseaktivitäten seien in den Zielgebieten "vor allem wieder die Ärmsten der Armen betroffen". Eine Rückzahlung von bereits bei den Leistungsträgern eingegangen Zahlungen führe dazu, dass diese dann wiederum ihr Personal nicht mehr bezahlen können. "ln diesen Ländern gibt es keine soziale Absicherung oder staatliche Unterstützungen, doch diese Arbeitenden sichern in der Regel das Überleben ganzer Familien", schreibt Geschäftsführerin Martina Freyer.

Drohende Insolvenzen

Bei dem Ausmaß der ausfallenden Reisen sei "kein einziges Unternehmen, egal ob kleinst, klein, mittelständig oder groß, auch selbst mit einer guten Liquidität ausgestattet, in der Lage, die Rückzahlungen zu leisten, ohne umgehend insolvent zu werden". Langfristig gedacht würden durch ein Aussetzen von Rückzahlungen weniger Unternehmen von bereitgestellten Rettungsmaßnahmen Gebrauch machen müssen und durch den Erhalt von Arbeitsplätzen würden weniger Arbeitslose die Sozialkassen belasten, so Freyer weiter.

Weniger ausgeprägt ist die Begeisterung für eine mögliche Gutscheinlösung im Vertrieb, der sich in Social-Media-Gruppen intensiv zu diesem Thema austauscht. "Nicht nur, dass die ganzen Stornos bearbeitet werden müssen – nein, die Reisebüros sollen doch bitte auch direkt bei den Kunden lautstark auf die Situation der Touristik aufmerksam machen und deren Solidarität einfordern – als wenn die Kunden aktuell keine anderen Probleme hätten", heißt es in einem Beitrag. "Eine Umbuchung bestehender Reisen über die Gutscheine werden nicht den gewünschten Erfolg bringen, sondern nur dazu führen das der eine oder andere länger 'überlebt'", schreibt ein anderer Reiseprofi.

In der Klemme

An der doppelten Misere der Reisebüros könne eine Verbesserung der Veranstalterliquidität durch Gutscheine ohnehin nichts ändern, meinen viele. Eine Reisebüroinhaberin beschreibt ihre Lage so: "Wir arbeiten weitere etliche Stunden für die Veranstalter, für Buchungen, die nicht mehr existieren , da niemand mehr telefonisch erreichbar ist. Wir erhalten eine Information, dass die Reise abgesagt wurde und verbringen wieder ganz viel Zeit mit unseren Kunden, hören uns die Sorgen und Nöte an. Das machen wir gerne, nur geht es bei uns auch nicht ohne eine gewisse Vergütung. Wovon sollen wir denn leben?"

Christian Schmicke

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