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11. Januar 2022 | 19:07 Uhr
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Debatte um Regeln zur Slot-Nutzung spitzt sich zu

Weil Airlines im Sommerflugplan 64 Prozent ihrer Start- und Landerechte nutzen müssen, um sie zu behalten, drohen bei weiterhin ausbleibender Nachfrage viele Leerflüge. Die Stimmen, die eine Lockerung der Slot-Vergabe fordern, mehren sich. Doch es gibt auch Gegenwind.

flughafen passagiere symbol foto iStock 06photo

Airports wünschen sich, dass möglichst viele der angebotenen Slots genutzt werden

Eigentlich müssen Fluggesellschaften mindestens 80 Prozent der ihnen zugewiesenen Slots nutzen, damit sie nicht in der darauffolgenden Saison neu verteilt werden. Wegen der Pandemie-Folgen für die Airline-Branche reduzierte die EU die Vorgabe zeitweilig auf 25 Prozent. Aktuell liegt der Grenzwert bei 50 Prozent und er soll zum Sommer weiter steigen. 

Nach den Plänen der EU-Kommission müssen die Airlines in der Sommersaison 64 Prozent ihrer Slots nutzen, um sie zu behalten. Das sei gerechtfertigt, weil der Flugverkehr in diesem Jahr nach Prognosen von Eurocontrol 89 Prozent des Niveaus von 2019 erreichen werde, zitiert die Tagesschau einen Sprecher der Kommission. Man erwarte, dass sich der Flugbetrieb wegen der steigenden Nachfrage weiter normalisiere. Zudem gebe es in begründeten Härtefällen die Möglichkeit einzelner Ausnahmen, "beispielsweise durch neue plötzliche Beschränkungen wegen der Covid-19-Pandemie".

Wettbewerb oder Ressourcenverschwendung?

Lufthansa-Chef Carsten Spohr warnte kürzlich, sein Unternehmen müsse wohl schon in diesem Winter rund 18.000 leere oder fast leere Flüge durchführen. Aufgrund der schwachen Nachfrage habe man im Januar die Anzahl Flüge eigentlich weiter reduzieren wollen, doch Brüssel erlaube das nicht.

Nun hat sich SPD-Fraktionsvize Detlef Müller angesichts der anhaltenden Coronakrise für Entlastungen für die Luftverkehrsbranche ausgesprochen. Der Nachrichtenagentur DPA sagte er, die Erholung des Luftverkehrs dauere länger als dies zunächst absehbar gewesen sei. Angesichts anhaltender Probleme erwarte er von der EU-Kommission, dass sie die Vergabe von Start- und Landerechten im Flugverkehr bei höchstens 50 Prozent belasse, bis es zu einer tatsächlichen Normalisierung des Reiseverkehrs komme Eine Anhebung auf 64 Prozent wäre "aus klimapolitischen und ökonomischen Gründen völlig kontraproduktiv".

Gleichwohl gibt es zu dem Thema auch andere Stimmen. So erklärte der Flughafenverband ACI Europe, die Fluggesellschaften seien mit einem deutlich reduzierten Schwellenwert für die Nutzung von Zeitnischen und einer speziellen Bestimmung für sich ändernde Umstände, wie sie die Omikron-Variante darstellt, sehr gut vor den derzeitigen Unwägbarkeiten geschützt. Der Verband verstehe nicht, weshalb die Problematik mit Geisterflügen jetzt diskutiert werde.

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