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9. März 2021 | 14:52 Uhr
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DER-Touristik-Chef sieht Geschäftsbeziehungen auf Prüfstand

"Es wird viele neue und viele zerbrochene Partnerschaften geben", sagte Sören Hartmann auf der virtuellen ITB Berlin Now. Kunden seien nicht mehr bereit, Reisen komplett im Voraus zu bezahlen, und erwarteten Flexibilität. Das werde auf die Beziehungen zwischen Veranstaltern, Hotels und Airlines durchschlagen.

Hartmann Sören

Sören Hartmann sieht die touristischen Akteure vor harten Verhandlungen

"Viele Kunden haben spätestens seit dem Beginn der Corona-Krise schlechte Erfahrungen damit gemacht, den vollen Reisepreis vor ihrer Abreise bezahlen zu müssen", weiß der CEO der Touristiksparte der Rewe Group. Die schleppenden Rückzahlungen angezahlter Gelder für Reisen, die abgesagt werden mussten, hätten das Vertrauen der Kundschaft beschädigt. Deshalb, so Hartmann, sei die Flexibilität der Buchungsbedingungen aus dem Blickwinkel der Urlauber das Thema der Stunde.

Dies schlage voll auf die eingespielten Zahlungsmodalitäten zwischen Reiseveranstaltern, Hotels und Fluggesellschaften durch, sagt der DER-Touristik-Chef. Wenn Kunden künftig nicht mehr bereit seien, vor der Abreise den vollen Reisepreis zu entrichten, könnten auch die touristischen Dienstleister nicht mehr in jedem Fall vorab ihr Geld erhalten.

Flex-Tarife werden wohl bleiben

Die Geschäftsbeziehungen zwischen den touristischen Akteuren würden dadurch auf die Probe gestellt, prognostiziert Hartmann. Liquidität werde nach der Corona-Krise eine noch größere Bedeutung erhalten und Konditionen müssten neu verhandelt werden.

In der Tat deutet vieles darauf hin, dass sich das Rad der Geschichte in Sachen An- und Vorauszahlungen nicht einfach wieder zurückdrehen lässt. Darauf haben einige Veranstalter bereits reagiert, indem sie die Höhe der Anzahlungen reduziert oder diese sogar ganz gestrichen haben. Viele Anbieter bieten zudem flexible Storno- und Umbuchungsbedingungen bis kurz vor der Abreise gegen Aufpreis.

Schlechte Erfahrungen auch bei den Hoteliers

Auch im Hinblick auf die Verträge mit der Hotellerie dürfte Hartmann mit seiner These zu Zahlungsmodalitäten Recht behalten. Dabei kommt der Druck allerdings nicht allein von der Kundschaft, sondern auch von den Dienstleistern. Denn zum einen zeigte der Fall der Thomas-Cook-Pleite vielen Hoteliers, dass Zahlungen, die erst Wochen nach der Abreise der Kunden geleistet werden, nicht nur ein kostenloser Kredit für die Veranstalter sind, sondern im Fall einer Pleite auch zu hohen Ausfällen führen können.

Zum anderem dürften sich einige Hotelbetreiber in wichtigen Destinationen daran erinnern, dass etwa TUI ausstehende Zahlungen für erbrachte Leistungen im vergangenen Jahr auf einen Zeitpunkt verschieben wollte, zu dem das Geschäft wieder anläuft, um die eigenen Liquidität auf Kosten der Partner zu verbessern. Hinter den Kulissen dürfte daher nicht nur über Kapazitäten und Kontingente hart verhandelt werden, sondern auch über Vereinbarungen zu den Zahlungszielen.

Christian Schmicke

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