EU-Einreisesystem führt offenbar weiter zu Verzögerungen
Die vollständige Einführung des europäischen Ein- und Ausreisesystems EES hat laut Medienberichten am Wochenende an mehreren Flughäfen zu langen Warteschlangen, verpassten Flügen und Verzögerungen geführt. Airlines und Flughäfen fordern deshalb von der EU-Kommission mehr Flexibilität beim Betrieb des Systems.
iStock/BalkansCat
Luftfahrtverbände berichten von langen Schlangen an Airports bei der Einreise in den Schengenraum
Nach Angaben der Flughafenvereinigung ACI Europe und des Airline-Verbands Airlines for Europe, A4E, kam es am ersten Tag des Vollbetriebs am vergangenen Freitag zu langen Wartezeiten an den Grenzkontrollen sowie zu erheblichen Störungen im Flugbetrieb.
Die Verbände berichten von Wartezeiten zwischen zwei und drei Stunden. Ursache sei die verpflichtende Registrierung aller Drittstaatsangehörigen. Die Verzögerungen traten nach Angaben der Verbände auch dort auf, wo Grenzbehörden bereits von Teilaussetzungen Gebrauch machten und biometrische Daten nicht erfasst wurden.
Fluggäste verpassen ihre Maschinen
Die Folgen reichten über längere Schlangen hinaus. Laut den Verbänden fehlten auf mehreren Flügen Passagiere. Auch aus Mailand wurden Probleme gemeldet. Nach einem BBC-Bericht verpassten am Sonntag fast 100 Easyjet-Passagiere am Flughafen Linate ihren Flug nach Manchester, nachdem sie wegen der neuen Grenzkontrollen bis zu drei Stunden warten mussten.
Die Luftfahrtindustrie warnt schon länger vor Problemen beim operativen Start des Systems. Diese Bedenken seien nun Realität geworden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Verbände. Die EU-Kommission gehe zwar davon aus, dass die Registrierung eines Reisenden im Durchschnitt 70 Sekunden dauere, wenn das System mit voller Kapazität funktioniere. Die ersten Rückmeldungen aus dem Luftverkehr zeigten aber ein anderes Bild.
Industrie fordert mehr Flexibilität
Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI Europe, und A4E-Chefin Ourania Georgoutsakou verlangen deshalb zusätzliche Flexibilität. Wenn Wartezeiten zu lang würden, müssten Grenzbehörden das EES vollständig aussetzen dürfen. Das sei nicht nur in den kommenden Wochen nötig, sondern auch mit Blick auf die Sommerreisezeit. Das digitale Grenzsystem war nach mehreren Verzögerungen im Oktober eingeführt und am 10. April in den Vollbetrieb überführt worden.
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