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18. Juli 2018 | 12:58 Uhr
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Eurowings nach Streiks und Unwettern

Kaum ein Tag vergeht im Moment, an dem sich nicht irgendwer zu dem chaotischen Mix aus Flugplanänderungen, Flugausfällen und Verspätungen zu Wort meldet, das dem deutschen Reisemarkt seit der Airberlin-Pleite zu schaffen macht. Und immer wieder steht dabei Eurowings im Zentrum der Aufmerksamkeit. In einem Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital" hat nun ein führender Manager der Lufthansa-Tochter deutlicher als bisher eingeräumt, dass die Fluggesellschaft mit der Situation überfordert war. "Ende Mai brach die Katastrophe über uns herein", zitiert das Blatt Eurowings-Geschäftsführer Michael Knitter. Durch Fluglotsenstreiks, Unwetter und Staus im Luftraum seien die Abflugzeiten für manche Flüge über den Tag verteilt bis zu zehnmal vor- und zurückgeschoben worden. "Da sind wir komplett aus der Kurve geflogen", so der als COO für das operative Geschäft zuständige Airliner. "Das konnte ich nicht mehr puffern.“

"Ausmaße unterschätzt"

Die Fluggesellschaften, die Risiken wie Streiks oder schlechtes Wetter immer einkalkulieren müssen, sahen sich in den vergangenen Wochen mit außergewöhnlich vielen Stornierungen und massiven Verspätungen im gesamten Luftverkehr konfrontiert. Durch Probleme bei der Airberlin-Übernahme habe die Eurowings-Führung damit nicht mehr angemessen umgehen können, schreibt "Capital". Denn die Airline hatte alle Reserven bis zum Anschlag ausgereizt – inklusive der zehn Maschinen, die das Unternehmen sonst stets als Puffer bereithält. "Das alles kam mitten in unseren Integrationsprozess gerausch", sagt Knitter. "Die Ausmaße haben wir vielleicht unterschätzt. Unsere Organisation ist nicht darauf ausgerichtet, mit solchen Katastrophen umzugehen."

Expansionsdruck

Als Problem habe sich auch die hindernisreiche Übernahme von Teilen des insolventen Konkurrenten erwiesen, ein anderes sei die "Wildwuchsstruktur" der rapide expandierenden, aus lauter eingeschränkt kompatiblen Teil-Fluglinien zusammengesetzten Airline. Zudem habe Lufthansa-Chef Carsten Spohr die Billigflugtochter mit hohen Gewinnerwartungen und weiteren Expansionsplänen stark unter Druck gesetzt, heißt es in dem Artikel. Knitter habe zugegeben, noch nie an einem Projekt mitgearbeitet zu haben, "das so kompliziert war und sich von Woche zu Woche verändert hat". Seine Lehre für die nächsten Übernahmen laute: "Das ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Einiges würden wir konservativer angehen."