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23. Februar 2026 | 17:18 Uhr
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Hotelgruppe Dorint schafft den Turnaround

Die Dorint-Gruppe hat nach fünf verlustreichen Jahren in Folgen offenbar die Wende geschafft: Geschäftsführerin Stefanie Brandes (Foto) verkündet für das Geschäftsjahr 2025 ein positives Nettoergebnis. Ab sofort stehen die Zeichen wieder auf ein "kontrolliertes" Wachstum, Dorint peilt 80 Häuser bis Ende 2028 mit einem Umsatz von ca. 600 Millionen Euro an.

Stefanie Brandes

Stefanie Brandes berichtet im Gespräch mit Hotel vor9, dass die Dorint-Gruppe die Rückkehr in die schwarzen Zahlen erreicht hat

Es sind ausgesprochen erfreuliche Zahlen, die Stefanie Brandes zum Termin mit Hotel vor9 im Gepäck hat. Denn es waren zuletzt durch die aus Dorint-Sicht staatliche Benachteiligung der Beihilfezuweisung schwierige Jahre für die Dorint-Gruppe. Die Corona-Pandemie hatte tiefe Spuren hinterlassen, Kredite in Höhe von 47,5 Millionen Euro mussten aufgenommen werden, und auch das Geschäftsjahr 2024 brachte, anders als geplant, mit einem Konzernfehlbetrag von rund 10,9 Millionen Euro erneut rote Zahlen. Doch nun zeichnet sich ein Wendepunkt ab, mit der Ablöse des Corona-Kredites im Februar 2025 wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht.

Stefanie Brandes, die im September 2024 als COO von Lindner zur Dorint-Gruppe stieß und nach dem Rückzug von Dorint CEO Jörg Böckeler inzwischen als Geschäftsführerin in der Kölner Zentrale die übergeordnete Verantwortung trägt, kann für das Geschäftsjahr 2025 erstmals positive Zahlen vermelden. "Die DHI Dorint Hospitality & Innovation GmbH als Konzernmutter der Dorint Gruppe konnte vor der Firmenwertabschreibung mit einem Nettoergebnis – vorbehaltlich der Endabstimmung mit unserem Wirtschaftsprüfer – von ca. 4 Millionen Euro abschließen", berichtet Brandes. Nach der Firmenwertabschreibung bleibe voraussichtlich ein Nettoergebnis von ca. plus 1,3 Millionen Euro. Die lange angestrebte schwarze Null wäre damit sogar leicht übertroffen.

Unabhängig von der operativen Ergebnisverbesserung hat eine massive Kapitalmaßnahme die finanzielle Basis des Konzerns grundlegend verändert. Die Muttergesellschaft Honestis AG erhöhte die Kapitalrücklage der DHI Dorint Hospitality & Innovation GmbH um 35 Millionen Euro. Brandes bezeichnete dies als "enormen Vertrauensbeweis" und als Grundlage für neuen Handlungsspielraum. Mit den Mitteln konnte Dorint die Corona-Kredite vorzeitig und vollständig ablösen – ein Thema, das viele Wettbewerber in den kommenden Monaten erst noch bewältigen müssten. Seit Februar 2025 weise der Konzern keine Fremdverbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten mehr aus, wie aus dem Konzernabschluss hervorgeht. Umsatzseitig habe sich die Gruppe im Jahr 2025 auf rund 340 Millionen Euro gesteigert, ein Plus von 13 Millionen Euro.

Das Wachstumsziel lautet 80 Hotels bis 2028

Mit der Eröffnung des neuen Essential by Dorint in Düsseldorf im März zähle das Portfolio inzwischen 59 Hotels, das 60. Haus in Mannheim, ebenfalls ein Essential by Dorint, solle im Sommer folgen. "Weitere sechs Hotels befinden sich im Bau, sodass die Dorint Gruppe in ihrem Budget aktuell 66 Hotels führt" erklärt Brandes. Die strategische Marschrichtung darüber hinaus ist klar: Bis 2028 sollen 80 Hotels unter dem Dach der Gruppe betrieben werden, perspektivisch bis 2030 sogar 100 Häuser bei einem Umsatzziel von 600 Millionen Euro. Brandes betonte allerdings, dass Augenmaß vor reinem Zahlendruck gehe: "Wir haben lieber zwei Häuser mehr oder zwei Häuser weniger, aber das, was wir in die Dorint Hotelgruppe integrieren, ist auf einem soliden Weg, mit einer nachhaltigen und soliden Berechnung am Start. Deswegen sprechen wir immer von kontrolliertem Wachstum."

Die aktuelle Marktlage mit vielen Betreiberwechseln, insbesondere durch Generationswechsel bei Leisure-Häusern, biete derzeit zahlreiche Chancen für das Development-Team. Der Fokus bleibe dabei klar auf dem DACH-Markt. Expansionspläne außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz gebe es derzeit nicht. Ebenso bleibe es bei der Dreimarkenstrategie mit Essential by Dorint, Dorint Hotels & Resorts und Hommage Luxury Hotels Collection. Besonderes Potenzial sieht Brandes im zunehmenden Cross-Selling zwischen Business- und Resort-Gästen innerhalb der Hauptmarke Dorint Hotels & Resorts.

Die Ratenentwicklung in Deutschland bleibt eine Herausforderung

Trotz der positiven Ergebnisentwicklung testiert Brandes dem deutschen Hotelmarkt weiterhin strukturelle Herausforderungen. Die Ratenentwicklung sei im europäischen Vergleich enttäuschend. "Der deutsche Markt tut sich nach wie vor unfassbar schwer, mit der Rate nach oben zu gehen", sagte sie. Während internationale Gäste eine Übernachtung für 180 oder 200 Euro als normal betrachteten, scheue der deutsche Gast häufig bereits Preise über 100 Euro. In Kombination mit steigenden Tarifkosten und Mindestlohnerhöhungen führe dies zu einer Sandwich-Situation für die Betreiber. Dorint reagiere darauf, indem man an ausgewählten Standorten wie Berlin gezielt internationale Quellmärkte erschließe – etwa über Vernetzung mit der Buchungsplattform "Ctrip" für den asiatischen Markt oder über Kooperationen mit internationalen Mice-Agenturen.

Zur eigenen Rolle an der Spitze der Hotelgruppe äußerte sich Brandes pragmatisch. Die Dorint-Gruppe habe stets auf eine Doppelspitze in der Geschäftsführung gesetzt, daran werde sich nichts ändern. "Rob Bruijstens, der seit einigen Wochen als Einzelprokurist und Generalbevollmächtigter agiert, ist bereits eine sehr große Unterstützung. Zudem ist der Aufsichtsratsvorsitzende, Dirk Iserlohe, ebenfalls über sein formales Aufgabenfeld hinaus mit großer Kraft für unsere Gruppe unterwegs und aktiv", erklärt Stefanie Brandes. "Wir sind ein Familienunternehmen und versuchen, jeweils nach unseren Fähigkeiten, die Unternehmensgruppe zu bereichern. Meine Aufgabe ist es, die Dorint Hotelgruppe strategisch weiterzuentwickeln und zugleich das wertvolle Erbe sowie die Wurzeln einer mittlerweile 66 Jahre alten Hotelgruppe zu bewahren."

Pascal Brückmann

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