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2. Februar 2023 | 11:51 Uhr
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Im Schlaf und mit Highspeed durch Europa

Die Bahnbranche begrüßt die zehn EU-Pilotprojekte für mehr internationale Nachtzug- und Schnellzugverbindungen. Neue attraktive Angebote sollen den schädlichen Flugverkehr mindern.

European Sleeper

Es wird ein spannendes Experiment – für das Start-up European Sleeper ebenso wie für seine mehr als 1.700 Geldgeber. Am 25. Mai will das kleine niederländisch-belgische Bahnunternehmen seinen ersten Nachtzug zwischen Berlin, Brüssel und Amsterdam starten. Noch im Februar soll der Ticketverkauf für die Verbindung beginnen, die ab 2024 nach Dresden und Prag verlängert werden soll. Eingesetzt werden renovierte Waggons mit "Komfort und Privatsphäre", so die Ankündigung. 

Im Frühjahr 2025 will European Sleeper seinen nächsten Nachzug anbieten, der Amsterdam und Barcelona verbinden soll, mit Stopps in Rotterdam, Antwerpen, Brüssel und Lille am Abend sowie Avignon, Montpellier, Perpignan, Figueras und Girona am Morgen. Die Linie ist eines von zehn Pilotprojekten der Europäischen Kommission, mit denen EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean den grenzüberschreitenden Schienenverkehr fördern und umweltschädliche Flüge verringern will.

Noch erheblicher Finanzierungsbedarf

Beim Start-up freut man sich, neben großen Staatsbahnen ausgewählt worden zu sein. Mitgründer und Geschäftsführer Chris Engelsman ist wie seine Mitstreiter ein überzeugter Schienenfan und sammelte für seine Genossenschaft im Mai 2021 in kurzer Zeit eine halbe Million Euro Startkapital von rund 350 Kleinanlegern aus Europa ein, vorigen Sommer brachten Aktienverkäufe an 1.400 Investoren weitere zwei Millionen Euro in die Kasse.

Damit lassen sich im komplizierten Nachtverkehr noch keine großen Sprünge machen. Neue Züge mit Schlaf- und Liegewagen sind teuer, grenzüberschreitende Verbindungen mit attraktiven Fahr- und Startzeiten schwer aufzubauen. Viele Staatsbahnen und auch die bundeseigene Deutsche Bahn AG haben die zu wenig lukrative Geschäftssparte daher aufgegeben, nur die Österreichischen Bundesbahnen investierten kräftig weiter und können sich inzwischen bestätigt fühlen.

Handlungsbedarf erkannt

Denn auch die Politik hat erkannt, dass internationale Bahnverbindungen dringend wieder verbessert werden müssen, um nachhaltige Mobilität voranzubringen. Das EU-Projekt soll Anbieter zum Beispiel bei der Anschaffung von Zügen unterstützen, verwiesen wird auf mögliche Finanzierungsinstrumente und Förderprogramme der Europäischen Investitionsbank wie "Future Mobility" und die "Green Rail Investment Platform".      

Die Bahnbranche begrüßt die Initiative als "überfälliges Signal der EU-Kommission“, wie das Bündnis Allianz pro Schiene betont. "Noch sind es Absichtsbekundungen, die jetzt schnell verbindlich werden müssen", fordert Geschäftsführer Dirk Flege. Zudem müsse die EU für Elektrifizierung von Grenzübergängen im Schienennetz sorgen und umweltschädliche Subventionen wie die Kerosinsteuerbefreiung im Flugverkehr abschaffen. 

Pilotprojekte sollen rasch starten

Die Pilotprojekte sollen nun rasch konkretisiert werden. "In den kommenden Wochen werden wir in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Europäischen Kommission die nächsten Schritte und Zeitpläne abstimmen", heißt es bei Flix Mobility. Die grünen Flixtrains sollen künftig auch zwischen Leipzig, Berlin, Kopenhagen und Stockholm fahren sowie zwischen München und Zürich. 

Auch der DB-Konzern ist unter den EU-Pilotprojekten mehrfach vertreten. So soll es tagsüber eine neue Verbindung Hamburg – Göteborg und möglicherweise weiter nach Oslo geben, und zwar in Kooperation mit der dänischen Bahn DSB. Mit den tschechischen Staatsbahnen České dráhy und der DSB sollen Prag, Berlin und Kopenhagen besser verbunden werden und mit der italienischen Ferrovie dello Stato Italiane (Trenitalia) sind neue Linien von München nach Rom und Mailand beabsichtigt.

Keine DB-Schlafwagen

Die Wiederaufnahme eigenen Schlafwagenverkehrs lehnt der größte deutsche Staatskonzern weiterhin ab, will aber mit Partnern in den nächsten Jahren ein Dutzend großer Metropolen in Europa über Nacht verknüpfen. Mit der ÖBB, die einen Teil der von den Deutschen aufgegebenen Schlagwagen übernommen hat, gebe es eine sehr gute Kooperation, betont ein DB-Sprecher. So sollen neue Nachtverbindungen von Berlin nach Paris sowie Brüssel im nächsten Jahr starten.

Die entscheidenden Effekte für die Mobilitätswende sieht der DB-Konzern aber im internationalen  Tagesverkehr. So biete ein einziger ICE, der zwischen Frankfurt/Main und Brüssel zweimal am Tag hin und her fahre, bei den vier Fahrten 1.800 Plätze, der einmalige Nachtzug dagegen nur 250. Sehr gefragt seien die schnellen ICE-Direktverbindungen ins Ausland, zum Beispiel nach Paris, Amsterdam, in die Schweiz und nach Österreich. 

Thomas Wüpper

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