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7. April 2020 | 13:44 Uhr
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Investor Samih Sawiris bestätigt Interesse an FTI-Übernahme

Der ägyptische Milliardär, der bereits rund ein Drittel an dem Reiseunternehmen hält, bestätigte der Schweizer "Handelszeitung", dass er über seine Luxemburger Beteiligungsgesellschaft SOSTNT beim Bundeskartellamt die Mehrheitsübernahme der FTI-Dachgesellschaft angemeldet habe.

Sawiris Samih 4 Orascom 2015 Foto Orascom

Samih Sawiris greift nach der Mehrheit bei FTI

Eine Zustimmung des Bundeskartellamtes würde ihm die Möglichkeit geben, zu einem späteren Zeitpunkt die Mehrheit an FTI zu übernehmen, sagte Samih Sawiris der Handelszeitung. "Eine Übernahme wäre eine Opportunität, mein Tourismus-Portfolio abzurunden", zitiert das Blatt den Ägypter, der seit seinem Studium in Berlin fließend deutsch spricht. Klar sei aber auch, dass sich auch unter einem Mehrheitsgesellschafter Sawiris nichts an der Zusammenarbeit zwischen FTI und den Hotels, die zu seiner Orascom-Gruppe gehören, ändern würde.

FTI-Gründer und Mehrheitsgesellschafter Dietmar Gunz hatte Ende vergangener Woche angekündigt, dass sein Unternehmen mit Hilfe zusätzliche Mitteln seitens der Gesellschafter sowie Krediten der Hausbank Unicredit und der Länder Bayern, Thüringen und Berlin die nächsten zwölf Monate meistern wolle. Die Höhe der Kredite ließ er offen. Am Montag hatte dann die Welt über Sawiris Übernahmepläne berichtet; von FTI gibt es dazu bislang keine Bestätigung.

Schon das erste Engagement geschah in Krisenzeiten 

Zu den handelnden Personen würde ein solcher Deal indes passen. Bereits Sawiris Einstieg bei FTI im Jahr 2014 vollzog sich unter den Vorzeichen einer Krise. Der arabische Frühling und seine Folgen hatten die Reiseströme nach Ägypten zum Versiegen kommen lassen, wo Sawiris unter anderem am Roten Meer die Resort-Stadt El Gouna entwickelt hatte. Und die FTI Group, die bereits stark in Nordafrika engagiert war, konnte frisches Geld gebrauchen.

Schon damals war Sawiris' FTI-Beteiligung, die er später als "eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe", bezeichnete, dem Plan gefolgt, sich über einen starken Veranstalter einen steten Gästestrom für seine Hotelinvestments zu sichern. Um auch im deutschen Reisebürovertrieb Einfluss zu erlangen, kaufte er zudem 74,9 Prozent des Mutterunternehmens der RTK-Reisebürokooperation, RT Reisen. Im November 2016 riss er sich zudem den Reiseverkaufssender Sonnenklar TV unter den Nagel.

Auch wenn Sawiris versichert, dass eine Mehrheitsübernahme bei FTI nichts an den aktuellen Geschäftsbeziehungen ändern würde, so ist doch klar, dass er damit seinem Ziel, immer größere Teile der Wertschöpfungskette abzudecken, damit näherkäme. Allerdings wird der Milliardär zuvor prüfen müssen, wie stark die Coronakrise sein eigenes Imperium belastet, das sich von Ägpyten und Oman über Montenegro bis ins Schweizer Andermatt erstreckt.

Christian Schmicke

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