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17. Februar 2020 | 14:45 Uhr
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Kreuzfahrtverband glaubt weiter an unverminderten Boom

Die Ausbreitung des Coronavirus wirbelt die Pläne der Reedereien durcheinander und kostet die Unternehmen viel Geld. Der Branchenverband Clia ist aber optimistisch, dass der Kreuzfahrt-Boom weitergeht, wenn die Krankheitswelle wieder abgeebbt ist. Kurzfristig allerdings dürfte die Verlegung von Schiffen in neue Fahrtgebiete für Preiskämpfe sorgen.

Kreuzfahrtschiff

Das Coronavirus dürfte zu Preiskämpfen bei Kreuzfahrten führen

"Im Moment gilt für die Branche grundsätzlich: Das Thema hat höchste Priorität", sagte Helge Grammerstorf, Deutschland-Direktor des Kreuzfahrtverbandes Clia, der Nachrichtenagentur DPA. "Die Reedereien handelten verantwortungsbewusst und versuchten, kein Risiko einzugehen. Die durch den asiatischen Raum würden „entsprechend umgeplant“.

Mittel- und langfristig erwarte die Branche keine Nachwirkungen der aktuellen Ereignisse, glaubt Grammerstorf. Der seit Jahren anhaltende Kreuzfahrt-Boom werde sich fortsetzen. Die Schiffe seien gut gebucht. Die Kreuzfahrtbranche habe 2019 in Deutschland ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich erreicht.

Doch aktuell spitzt sich die Situation zu. Nach der Ausbreitung von Infektionen an Bord der vor Yokohama in Quarantäne liegenden "Diamond Princess" zögern asiatische Länder, Kreuzfahrtschiffe in ihre Häfen einlaufen zu lassen. So konnten die Passagiere der "Westerdam" der Holland America Line erst nach einer Irrfahrt durch asiatische Gewässer in einem kambodschanischen Hafen von Bord gehen. Auch Aida Cruises war ein Anlauf in Vietnam untersagt worden, woraufhin die Reederei ihr gesamtes geplantes Asien-Programm, das noch bis April hätte dauern sollen, abblies.

Reedereien entwickeln kurzfristig Alternativpläne

Norwegian Cruise Line stornierte für den bevorstehenden Sommer geplante Asien-Programm der "Norwegian Spirit“ ebenfalls komplett und schickt das rundum erneuerte Schiff nun zunächst auf eine Reise in die Golfregion und um Afrika, bevor es vom neuen griechischen Heimathafen Piräus aus zu siebentägigen Mittelmeertörns aufbricht. Im Gespräch mit dem Schweizer Fachblatt „Travel Inside“ kündigte Europa-Chef Kevin Bubolz angesichts der kurzfristigen Planänderung schon mal „sehr attraktive Preise“ an.

Auch Aida Cruises arbeitet nach eigenen Angaben an alternativen Reiseplänen für die "Vita" und die "Bella", die aus Asien abgezogen wurden. Ebenso feilt TUI Cruises an einer Alternative für die geplante Reise "Hongkong mit Vietnam" mit der „Mein Schiff 6“ vom 4. bis 18. März. Weitere Reedereien werden folgen.

Das bedeutet, dass für einige Regionen außerhalb Asiens kurzfristig zusätzliche Kapazität hinzukommt, die gefüllt werden will. Schon in der Zeit um den Jahreswechsel hatten einige Reedereien durch Preisaktionen auf sich aufmerksam gemacht, indem sie etwa Getränkepakete ohne Aufpreis integrierten oder gleich die Grundpreise senkten. Diese Entwicklung dürften der kurzfristige Wegfall wachsender asiatischer Quellmärkte wie auch der asiatischen Zielgebiete zusätzlichen Schub verleihen.

Christian Schmicke

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