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20. März 2026 | 08:00 Uhr
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Leerverkäufer Grizzly erhebt schwere Vorwürfe gegen Accor

Die Hotelkette Accor sieht sich durch massive Vorwürfe von "Grizzly Research" konfrontiert. Das Unternehmen agiert als Investor, der auf fallende Börsenkurse setzt und kritische Berichte publiziert. Grizzly behauptet, viele Accor-Hotels würden mutmaßlich Versäumnisse bei der Bekämpfung von Menschenhandel an den Tag legen, Accors Aktienkurs verliert stark an Wert. Der Hotelkonzern weist die Vorwürfe zurück und leitet eine interne Untersuchung ein.

Accor

In der Spitze hat die Accor-Aktie am Tag der Veröffentlichung des Grizzleys-Berichts rund neun Prozent an Wert verloren

Am 19. März 2026 veröffentlichte der US-amerikanische Leerverkäufer Grizzly Research einen umfangreichen Bericht, in dem dem französischen Hotelkonzern Accor SA gravierende Mängel bei der Prävention von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung Minderjähriger vorgeworfen werden. Grizzly hält nach eigenen Angaben eine Short-Position auf die Accor-Aktie und profitiert somit von fallenden Kursen. Die Aktie verlor gestern an der Pariser Börse zeitweise rund neun Prozent an Wert.

Verdeckte E-Mail-Anfragen in über 25 Ländern

Laut Grizzly Research kontaktierten Ermittler Hunderte von Accor-Hotels per E-Mail in über 25 Ländern. Die Anfragen zielten darauf ab, Zimmer für minderjährige Mädchen und nicht verwandte erwachsene Männer zu buchen, in einem laut Grizzly "offensichtlich sexuellen Kontext". Die Nachrichten seien bewusst so formuliert worden, dass sie möglichst viele Warnsignale für Menschenhandel auslösen sollten: Sie kombinierten demnach Minderjährige, ein aktives Kriegsgebiet, eine nicht namentlich genannte Modelagentur sowie einen Aufenthalt von über einem Monat ohne Eltern oder andere Erziehungsberechtigte.

Grizzly behauptet, dass 80 Prozent der Accor-Hotels, die auf die Anfragen reagierten, die beschriebenen Bedingungen akzeptiert hätten. Bei positiven Antworten seien die Ermittler noch weiter gegangen und hätten etwa Champagner, Kondome und Gleitmittel für die betreffenden Zimmer verlangt. Auch dies sei in mehreren Fällen nicht beanstandet worden, so der Bericht.

Um die Ergebnisse einzuordnen, kontaktierte Grizzly nach eigenen Angaben auch Hotels in denselben Regionen, die nicht zur Accor-Gruppe gehören. Das Ergebnis fiel laut dem Bericht drastisch anders aus: Von 56 kontaktierten Nicht-Accor-Hotels habe sich lediglich ein einziges bereit gezeigt, auf die problematischen Anfragen positiv zu reagieren.

Vorwürfe zur Unterbringung ukrainischer Waisenkinder

Ein weiterer Teil der Untersuchung betrifft laut Grizzly die Unterbringung ukrainischer Waisenkinder. Demnach hätten alle 18 kontaktierten russischen Accor-Hotels zugestimmt, ukrainische Waisen auf dem Weg zur Adoption durch russische Familien aufzunehmen.

Darüber hinaus stellt der Bericht indirekte Verbindungen zwischen Accor, einzelnen angeschlossenen Marken und dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein her.

Accor weist Vorwürfe zurück und leitet Untersuchung ein

Accor weist am Donnerstagnachmittag gegenüber Hotel vor9 jede Beteiligung an systematischer Ausbeutung im Zusammenhang mit Menschen- oder Kinderhandel "entschieden" zurück. Laut dem Unternehmen wurde eine eingehende interne Untersuchung eingeleitet und zusätzlich ein externes Unternehmen mit der Prüfung der Vorwürfe beauftragt. Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden. Sollten sich einzelne Vorwürfe bestätigen, werde die Gruppe "angemessene Maßnahmen ergreifen" und behalte sich rechtliche Schritte gegen alle beteiligten Parteien vor, so Accor.

Der Konzern betont, dass der Kampf gegen Menschenhandel und die sexuelle Ausbeutung von Kindern seit über 20 Jahren zu seinen Prioritäten gehöre. Strenge Richtlinien, regelmäßige Audits – das letzte im Jahr 2025 – sowie spezifische Schulungsprogramme für Mitarbeitende und Partner seien fest etabliert. Bezüglich der Epstein-Vorwürfe erklärte Accor, Konzernchef Sébastien Bazin habe Epstein lediglich einmal vor über 20 Jahren in einem rein beruflichen Rahmen mit mehreren Investoren getroffen.

Pascal Brückmann

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