Tägliche News für die Travel Industry

29. Januar 2026 | 15:59 Uhr
Teilen
Mailen

Lob und Kritik zur nationalen Tourismusstrategie

Die von der Bundesregierung beschlossene nationale Tourismusstrategie trifft in der Branche überwiegend auf Zustimmung. Unternehmen und Verbände sehen darin wichtige Ansätze für mehr Wettbewerbsfähigkeit, geringere Kosten und mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig formiert sich Widerstand von Gewerkschaften, die vor einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags warnen.

Tourismus Buchstaben

Bei der Umsetzung der Tourismusstrategie sind noch einige Frage offen

Die neue Tourismusstrategie der Bundesregierung hat ein breites Echo in der Branche ausgelöst. Große Unternehmen, Verbände und der Tourismuskoordinator der Regierung sehen darin einen Richtungswechsel zugunsten von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Zugleich stößt vor allem die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit auf scharfe Kritik von Gewerkschaften und Teilen der Opposition.

Marktführer TUI bewertet die Strategie als wichtigen Schritt für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und sichere Arbeitsplätze. Seit dem Amtsantritt von Tourismuskoordinator Christoph Ploß habe sich "viel bewegt", teilt der Konzern mit. Das Unternehmen lobt die Gesprächsbereitschaft und den Willen zur Veränderung. Entscheidend sei ein "level playing field" gegenüber reinen Plattformanbietern. Regulierung, Berichtspflichten und Abgaben belasteten bislang vor allem Veranstalter und Reisebüros mit Sitz in Deutschland.

Fokus auf Kosten und Bürokratie

Eine zentrale Forderung der Branche bleibt die Senkung der Standortkosten. TUI verweist dabei vor allem auf den Reisesicherungsfonds und mahnt politische Initiativen an. Weniger Bürokratie sei notwendig, ebenso eine echte Deregulierung. Unterstützung kommt aus der Bundesregierung. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, Unternehmen würden entlastet, Bürokratie abgebaut und der Arbeitsmarkt flexibler gestaltet.

Die Strategie sieht unter anderem eine Stärkung des Luftverkehrs durch die Absenkung der Luftverkehrssteuer und die Abschaffung der nationalen PtL-Quote, also der Pflicht zur Beimengung von elektrisch hergestelltem Treibstoff, vor. Zudem soll die Insolvenzabsicherung von Pauschalreisen weiterentwickelt werden, ohne das Sicherheitsniveau zu senken. Weitere Schwerpunkte sind der Abbau nationaler Übererfüllungen von EU-Vorgaben sowie mehr Tempo bei Digitalisierung und der Umsetzung des europäischen AI-Acts.

Lob auf die eigene Arbeit

Der Deutsche Reiseverband (DRV) sieht, wie berichtet, ebenfalls positive Signale. Die Strategie schaffe Planungssicherheit und unterstreiche die Bedeutung der organisierten Reise als tragende Säule der Volkswirtschaft. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) begrüßt insbesondere das Umdenken bei den Arbeitszeiten, das den betrieblichen Alltag besser abbilde und mehr Flexibilität ermögliche.

Ähnlich äußern sich der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, der Online-Vertriebsverband VIR, der Mittelstandsverband ASR und zahlreiche weitere Verbände. Am Ende dürfte es ihnen darum gehen, einerseits den Erfolg eigener Lobbyarbeit zu feiern. Zugleich pochen sie auf eine baldige Umsetzung der Strategie in konkrete Gesetzgebung – und die dürfte wahrlich kein Selbstläufer sein.

Streitpunkt Arbeitszeit

Für das Hotel- und Gaststättengewerbe besonders wichtig, aber insgesamt auch besonders umstritten ist die geplante Abkehr von der täglichen hin zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Die Bundesregierung bekräftigt dieses Vorhaben ausdrücklich in der Tourismusstrategie. Ziel sei mehr Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Bundesarbeitsministerium kündigte einen Referentenentwurf für das erste Halbjahr 2026 an.

Gewerkschaften lehnen den Kurs entschieden ab. Der Deutsche Gewerkschaftsbund spricht von einem Angriff auf humane Arbeitszeiten. Auch die Gewerkschaft NGG warnt vor Überlastung und einer weiteren Verschärfung des Fachkräftemangels. Verdi sieht die Gefahr, dass Beschäftigte gegen ihren Willen länger arbeiten müssten. Kritik kommt auch aus der Opposition. Die Grünen bezeichnen die Strategie als "wenig substanziell" und verweisen auf Finanzierungsvorbehalte.

Christian Schmicke

Kommentieren und folgen Sie Reise vor9 auf Linkedin

Newsletter kostenlos bestellen

Ja, ich möchte den Newsletter täglich lesen. Ich erhalte ihn kostenfrei und kann der Bestellung jederzeit formlos widersprechen. Meine E-Mail-Adresse wird ausschließlich zum Versand des Newsletters und zur Erfolgsmessung genutzt und nicht an Dritte weitergegeben. Damit bin ich einverstanden und akzeptiere die Datenschutzerklärung.

Anzeige