Lufthansa fällt hinter die Konkurrenz zurück
Lufthansa hat im zweiten Quartal deutlich an Ertragskraft verloren und senkt, wie berichtet, die Jahresprognose. Hohe Kerosinpreise und Streiks belasten den Konzern, doch Medienanalysen sehen auch strukturelle Schwächen bei der Kernmarke. Lufthansa Airlines schreibt operativ Verlust, die Kapazität stagniert und im Europaverkehr könnten weitere Strecken entfallen.
Lufthansa
Hohe Kosten und Lieferengpässe belasten die Geschäftsentwicklung von Lufthansa
Die Zahlen zeigen, wie stark die Krise das Passagiergeschäft trifft. Das bereinigte Betriebsergebnis der Gruppe sank im zweiten Quartal um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro, der Konzerngewinn brach um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro ein. Die Netzwerkairlines mit Lufthansa, Swiss, Austrian und Brussels kamen nur noch auf 137 Millionen Euro, nach 627 Millionen Euro im Vorjahr. Lufthansa Airlines selbst flog operativ in die roten Zahlen.
Zusätzliche Kerosinkosten von 750 Millionen Euro und sechs Streiktage im April, die rund 150 Millionen Euro kosteten, erklären einen Teil des Rückgangs. Zugleich buchen Kunden wegen der unsicheren Lage im Nahen Osten deutlich kurzfristiger. Dadurch sank der operative Cashflow im ersten Halbjahr um 600 Millionen auf rund 2,3 Milliarden Euro.
Konkurrenz kommt besser durch die Krise
Auch IAG und Air France-KLM leiden unter höheren Treibstoffkosten. Ein Beitrag der Süddeutschen Zeitung hebt indes hervor, dass Lufthansa deutlich schlechter abschneidet als die großen europäischen Rivalen. Während British Airways und Iberia weiterhin zweistellige Margen erzielten, komme selbst Swiss als profitabelste Airline des Lufthansa-Konzerns nur auf gut neun Prozent.
Die Zeitung sieht die Ursachen vor allem in den seit Jahren hohen Kosten bei Lufthansa Airlines. Als Belastungen nennt sie eine große Verwaltung, teures Personal, eine teilweise alte Flotte und einen komplexen Flugbetrieb. Die äußeren Krisen treffen damit auf strukturelle Schwächen im Kerngeschäft.
Sparprogramm und Stellenabbau
Ein Turnaround-Programm soll bis Ende 2026 Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro und bis 2028 jährlich 2,5 Milliarden Euro bringen. Finanzvorstand Till Streichert will kurzfristig weitere 200 Millionen Euro herausholen. "Nicht zwingende Projekte" sollen entfallen, externe Einstellungen auf wenige Fälle begrenzt werden.
Vor allem in der Verwaltung sollen zahlreiche Stellen wegfallen. Ein Abfindungsprogramm läuft bereits und sorgt laut Süddeutscher Zeitung für Verunsicherung. Parallel führe Lufthansa Gespräche mit Piloten und Flugbegleitern, um weitere Arbeitskämpfe zu vermeiden.
Weniger Sitze und ältere Flugzeuge raus
Die Lufthansa-Gruppe will ihre Kapazität 2026 aktuell nicht mehr ausweiten. Ursprünglich war ein Wachstum um bis zu zwei Prozent vorgesehen. Konzernchef Carsten Spohr erwägt nun, im Europaverkehr ein weiteres Prozent der Sitze zu streichen und besonders schwache Strecken aufzugeben.
Auch die Tochtergesellschaften sind betroffen. So fällt bei Austrian Airlines neben mehreren internationalen Verbindungen zum Winterflugplan auch die Route zwischen Wien und Graz weg. Auch in Klagenfurt baut Austrian Airlines nach Angaben des Portals Aerotelegraph ab. Statt wie aktuell noch elf Flüge pro Woche nach Wien gibt es im Winter nur noch sechs. Und die Tochter Brussels Airlines muss auf die Integration zweier Langstreckenjets vom Typ Airbus A330 laut Aerotelegraph vorerst verzichten.
Zudem sollen verbrauchsintensive Flugzeuge im Konzern früher ausgemustert oder vorübergehend stillgelegt werden. Dazu gehören Airbus A340-600. Zwei Boeing 747-400 sollen ab dem Winterflugplan am Boden bleiben. Die Flottenerneuerung kommt allerdings langsamer voran als geplant. Durch Lieferverzögerungen werden 2026 nur 41 statt 45 neue Jets erwartet.
Börse straft Gewinnwarnung ab
Für das Gesamtjahr rechnet Lufthansa mit einem bereinigten Betriebsergebnis von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte der Konzern einen Wert deutlich über den knapp zwei Milliarden Euro des Vorjahres angestrebt. Die Börse reagierte mit einem Kursverlust von zeitweise mehr als zehn Prozent.
Trotz des Sparkurses hält Lufthansa an Wachstumsperspektiven außerhalb des Kerngeschäfts fest. Der Konzern hat ein bindendes Angebot für eine Minderheitsbeteiligung an TAP Air Portugal abgegeben. Damit will er vor allem auf den Südatlantik-Routen gegenüber IAG und Air France-KLM aufholen.
Christian Schmicke