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18. Januar 2021 | 07:00 Uhr
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Mehrheit der Touristiker für Reisefreiheit nach Impfung

Rund 60 Prozent der befragten Reiseprofis gaben in einer Umfrage von Reise vor9 an, dass sie dafür sind, Menschen, die gegen Corona geimpft sind oder die eine Infektion überstanden haben, volle Reisefreiheit zu gewähren. Allerdings fordern zwei Drittel der Befürworter, dass diese Regelung erst getroffen werden sollte, wenn jeder die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen.

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Die Hoffnungen auf die Wirksamkeit von Impfstoffen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie beschäftigen die Welt und sorgen für kontroverse Diskussionen. Für die Reisebranche ist das Thema von ganz besonderer Bedeutung, weil die Wiederbelebung des Reiseverkehrs entscheidend von der Reduzierung des Infektionsgeschehens abhängt. Daher erstaunt es nicht, dass sich mit mehr als 1.300 Touristikern eine Rekordzahl von Reiseprofis an der aktuellen Online-Umfrage von Reise vor9 zum Thema Corona-Impfung und Reisefreiheit beteiligte.

60 Prozent der Branchenvertreter sind dafür, Menschen die gegen Covid-19 geimpft sind oder eine Infektion überstanden haben, künftig wieder volle Reisefreiheit zu gewähren. Allerdings sprechen sich nur 20 Prozent der Umfrageteilnehmer dafür aus, die Reisefreiheit für Geimpfte sofort in Kraft treten zu lassen. Etwa doppelt so viele Befragte halten es erst dann für angebracht, das Reisen zum Privileg geimpfter Menschen zu machen, wenn jeder frei über seine Impfung entscheiden kann. Das ist derzeit wegen des Mangels an Impfstoff nicht der Fall.

Jeder Dritte fürchtet indirektes Reiseverbot

Doch die Begeisterung für den Vorschlag ist keineswegs ungeteilt. So ist rund ein Drittel der Befragten gegen die Verknüpfung von Impfung und Reisefreiheit. Jeweils gut 30 Prozent der Touristiker befürchten, dass dies einem indirekten Impfzwang gleichkommen würde oder dass es zu einem Reiseverbot für Nicht-Geimpfte kommt. 22 Prozent halten eine Bevorzugung Geimpfter für diskriminierend.

Hunderte von Kommentaren der Reiseprofis spiegeln die gesamte Bandbreite der gesellschaftlichen Debatte zu diesem Thema wider. „Menschen, die sich nicht als ‚Versuchskaninchen‘ impfen lassen, wären dadurch in ihrem Selbstbestimmungsrecht stark eingeschränkt“, schreibt ein Reisebürochef mit Blick auf die schnelle Zulassung der Impfstoffe, die keine umfassende Kenntnis von Nebenwirkungen und Langzeitfolgen erlaubt. Das halte er „für nicht verfassungsgemäß“.

Was ist verhältnismäßig?

Unsicherheit oder Misstrauen hinsichtlich des Impfstoffes mit „Freiheitsentzug“ zu bestrafen, klinge „alles andere als demokratisch“, findet ein weiterer Touristiker. „Solch eine drakonische Maßnahme schafft eher noch mehr Ablehnung, da es einer Zwangsimpfung gleicht“, argumentiert der Reiseprofi.

„Es kann nicht sein, dass wir die wenigen Impfungen nutzen, damit wir im reichen Westen verreisen können, bevor das Pflegepersonal in ärmeren Ländern die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen“, kommentiert ein anderer Branchenvertreter. Bei den Impfungen gehe es nicht nur auf nationaler oder europäischer Ebene, sondern weltweit um Gerechtigkeit.

"Wer sich nicht impfen lässt, ist egoistisch"

Auch die Befürworter führen moralische Aspekte für ihren Standpunkt an. „Wer sich nicht impfen lässt, ist egoistisch“, fasst ein Teilnehmer seinen Standpunkt zusammen. Wer in einer Gemeinschaft lebe, habe die „moralische Pflicht zur Rücksichtnahme auf andere“. Wieder andere verweisen darauf, dass nicht die Reisefreiheit, sondern deren Einschränkung einer Rechtfertigung bedürfe. „Das ist kein Privileg, sondern die Rückerlangung der Grundrechte wenn kein Anlass mehr besteht, sie beschränken“, führt ein Teilnehmer an.

Indes werden auch praktische Gründe für die Ablehnung einer sofortigen Bevorzugung von Geimpften geltend gemacht: „So lange nicht nachgewiesen ist, dass Geimpfte keine Träger mehr sind, macht es keinen Sinn, sie zu privilegieren“, merkt ein Reiseprofi an. Ähnlich sieht das weiterer Befragter: „Ich würde die Impfpflicht verstehen, wenn man dadurch verhindern könnte, andere Menschen anzustecken oder das Virus weiter zu verbreiten“, erklärt er. So lange dies nicht gewährleistet sei, mache „die Impfpflicht“ in seinen Augen „keinen Sinn“. „Ich lasse mir nicht befehlen, was ich mit meiner eigenen Gesundheit mache“, schließt der Kommentar.

Kaum Unterschiede zwischen Reisebüros und Leistungsträgern

Insgesamt stellen sich die Mehrheitsverhältnisse im Hinblick auf das Thema Impfung und Reisefreiheit bei Vertretern des touristischen Vertriebs und Beschäftigen bei Reiseveranstaltern, Airlines und Hotellerie sowie anderen Leistungsträgern, deren Aussagen separat ausgewertet wurden, nahezu identisch dar. Hier wie dort befürworten rund 60 Prozent die Verknüpfung einer Impfung mit freiem Reisen, und in beiden Gruppen will eine Mehrheit der Befürworter damit warten, bis flächendeckend ausreichend Impfstoff vorhanden ist, um jeden zu impfen, der dies wünscht.

Christian Schmicke

Wird es zu einer weltweiten Bindung von Ein- und Ausreisen an Impfungen kommen? Verlangen Airlines und Hotels künftig Impfnachweise von ihren Kunden? Und welche Rolle werden Corona-Tests spielen? Eine detaillierte Auswertung der Einschätzung von rund 1.300 Touristikern zu diesen Fragen lesen Sie am Dienstag, 19. Januar, bei Reise vor9!

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