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28. Juni 2023 | 15:27 Uhr
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Nabu bescheinigt Kreuzfahrtbranche Fortschritte

Von einer Kreuzfahrt mit gutem Gewissen seien die Vorreiter des diesjährigen Rankings zwar noch deutlich entfernt, erklärt der Naturschutzbund Nabu im Rahmen der Veröffentlichung seines jährlichen Kreuzfahrt-Rankings. Es gebe jedoch erste vielversprechende Ankündigungen, die Hoffnung auf eine umweltfreundliche Kreuzschifffahrt machten.

Kreuzfahrtschiff Schornstein

Das aktuelle Kreuzfahrt-Ranking des Nabu sieht die Kreuzfahrt noch vor vielen Herausforderungen

Gerade Anbieter kleinerer Kreuzfahrtschiffe, wie die Spitzenreiter des diesjährigen Rankings Hurtigruten und Havila aus Norwegen, schritten beim Klima- und Umweltschutz voran, berichtet der Nabu. Positiv sei zu erwähnen, dass kein Unternehmen es sich mehr leisten könne, gar keine Maßnahmen zur Emissionsminderung zu ergreifen – das Mittelfeld des Rankings rücke zusammen, schreibt der Nabu. Zwischen den Firmen, aber auch innerhalb der Flotten der Unternehmen, gebe es aber weiterhin große Unterschiede. Insbesondere die Bestandsschiffe würden kaum sauberer, so die Kritik. Verbesserungen würden fast ausschließlich auf neuen Schiffen umgesetzt.

Für die positive Bilanz der norwegischen Anbieter sei neben technischen Lösungen insbesondere eine ambitionierte und gleichzeitig klare politische Regulierung verantwortlich. Dort sei durch strenge Vorgaben ein Innovationsschub ausgelöst worden, der schon bald in klimaneutralen Kreuzfahrten resultieren könnte.

"Vorgaben setzen guten Rahmen"

Landstrom, Batterien und E-Fuels auf Basis von grünem Wasserstoff würden auch anderorts die Grundlage bilden, urteilt der Nabu. Die im Mai im Zuge des EU Green Deals verabschiedeten Vorgaben setzten hierfür einen guten Rahmen für die gesamte Schifffahrt. Für Kreuzfahrtschiffe biete insbesondere synthetisches Methanol eine Möglichkeit zum klimaneutralen Betrieb. TUI Cruises und Norwegian Cruise Lines haben laut Nabu bereits Schiffe bestellt, die auf diese Möglichkeit setzen.

Trotz dieser Entwicklungen stiegen die Emissionen in der Kreuzfahrtbranche insgesamt aber weiter an, warnt der Umweltverband. Besonders besorgniserregend sei der drastische Anstieg von Methanemissionen durch die LNG-Nutzung, so Nabu-Schifffahrtsexperte Sönke Diesener. Diese seien kurzfristig 80 Mal klimaschädlicher als CO2. LNG, also Flüssiggas, berge "vielfältige Probleme", weshalb von einer Brückentechnologie nicht die Rede sein dürfe.

Viele Neuerungen sind nur Übergangslösungen

Neben LNG seien auch Bio-Kraftstoffe nicht zielführend für die Branche, urteilt der Nabu. Sie dürften "höchstens in lokalen Ausnahmefällen eine Nischenlösung sein". Zudem müsse sichergestellt werden, dass es sich ausschließlich um Abfallprodukte handele und kein Palmöl oder andere Produkte von den Feldern in den Tanks der Schiffe landeten.

Der Kreuzfahrtverband Clia teilt in einer Stellungnahme zu dem Nabu-Ranking mit, die Kreuzfahrtindustrie tätige "enorme Investitionen, um eine der nachhaltigsten Formen der Urlaubsreise zu werden, indem sie ihren ökologischen Fußabdruck in Bezug auf Emissionen und Abfallmanagement" reduziere. Die Mitgliedsreedereien hätten sich verpflichtet, bis zum Jahr 2050 weltweit eine kohlenstofffreie Kreuzfahrt anzubieten. Das Engagement übertreffe die von Regierungen auf nationaler und internationaler Ebene gesetzten Ziele.

Fortschritte bei Brennstoffzellen und Batterien

Schon heute erprobten Kreuzfahrtunternehmen den Einsatz erneuerbarer, nicht fossiler Kraftstoffe und mehr als 15 Prozent der Kreuzfahrtschiffe, die in den nächsten fünf Jahren in Dienst gestellt würden, sollten mit Brennstoffzellen oder Batterien ausgestattet sein, um eine hybride Energieerzeugung zu ermöglichen, die in Spitzenzeiten zusätzliche Energie liefere, sobald die Technologie verfügbar sei.

Während die Verfügbarkeit erneuerbarer Schiffskraftstoffe für die Erfüllung der gesetzlichen und EU-Ziele von entscheidender Bedeutung sein werde, umfasse der Weg der Kreuzfahrtbranche zur Dekarbonisierung auch Fortschritte in den Bereichen Technologie, Infrastruktur und Betrieb, die derzeit zu einer erheblichen Emissionsreduzierung sowie zu Energie- und Kraftstoffeinsparungen führten. Dazu gehörten die Landstromversorgung, fortschrittliche Abwasseraufbereitungssysteme sowie Technologien an Bord, die es den Kreuzfahrtunternehmen ermöglichten, Abfälle zu entfernen, wiederzuverwenden, zu recyceln und in Energie umzuwandeln. Weil es noch zu wenige Landstromanschlüsse gebe, seien die Behörden gefordert, der Einrichtung von Landstrominfrastrukturen in ihren Häfen Vorrang einzuräumen, so der Kreuzfahrtverband.

Details zum Kreuzfahrt-Ranking 2023 des Nabu erfahren Sie hier.

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