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21. August 2018 | 14:32 Uhr
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Nabu Kreuzfahrtranking: Lob für "Aida

Noch bevor die "Aida nova" am Dienstagabend das Baudock der Papenburger Meyer Werft verlässt, hat sie ihre erste Ehrung schon in der Tasche. Der Naturschutzbund Nabu attestiert dem Neubau, dass er als einziges Kreuzfahrtschiff der Welt mit Flüssiggas (LGN) unterwegs ist und setzt ich auf Platz eins seines diesjährigen Kreuzfahrtrankings.

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Allerdings dürfte die Auszeichnung auch beim Management von Aida Cruises keine große Freude auslösen. Denn wie üblich fällt das Urteil des Nabu zur Umweltbilanz der Ozeanriesen einigermaßen vernichtend aus. Bis auf "Aida nova" hielten die übrigen der 76 untersuchten Schiffe, darunter auch acht von neun Schiffen, die in diesem Jahr neu auf den Markt kommen, "am dreckigsten aller Kraftstoffe, dem Schweröl, fest", heißt es von der Umweltorganisation. Besonders die Branchenriesen MSC Cruises, Celebrity Cruises und Royal Caribbean hätten "aktuell im Bereich Umweltschutz kaum etwas zu bieten".

Die deutschen Anbieter Hapag-Lloyd Cruises und TUI Cruises könnten bei der Luftreinhaltung immerhin "einigermaßen mithalten". Sie setzen auf ihren jüngsten Flottenzugängen Stickoxid-Katalysatoren ein oder sind für die Versorgung mit Landstrom während des Hafenbetriebs gerüstet. Einen Partikelfilter zur Senkung der besonders gesundheitsschädlichen Rußpartikel suche man jedoch auch bei diesen Schiffen vergeblich, kritisiert der Nabu.

Einfuhrverbote für schmutzige Schiffe

Und auch beim Spitzenreiter findet der Verband noch ein Haar in der Suppe. Zwar reduziere die Nutzung von LNG die Abgasbelastung erheblich und schaffe daher eine echte Verbesserung der Luftqualität, besonders für betroffene Anwohner in Hafenstädten und in Küstennähe. Doch das Flüssiggas sei keineswegs der Heilsbringer für die Schifffahrt. Eine aktuelle Studie zeige, dass LNG keinen nennenswerten Vorteil gegenüber Diesel bringe, wenn es um den Klimaschutz gehe. Die Kreuzfahrtbranche müsse deshalb dringend neue Antriebsysteme und Kraftstoffe entwickeln, die nicht nur den Luftschadstoff-, sondern auch CO2-Ausstoß deutlich reduzieren. "Ohne einen massiven technologischen Wandel in der Schifffahrt sind die Pariser Klimaziele nicht einzuhalten", kritisiert der Nabu und fordert, ab 2020 sollten "Hafenstädte und besonders schützenswerte Regionen für schmutzige Kreuzfahrtschiffe Einfuhrverbote verhängen, wie in norwegischen Fjorden". Nur so sei die Gefahr für die Gesundheit der Anwohner und für sensible Ökosysteme kurzfristig einigermaßen in den Griff zu kriegen.

Kreuzfahrtverband reagiert

Dass diese Kritik der Kreuzfahrtbranche wenig Freude bereitet, verwundert nicht. Und so sieht sich der Kreuzfahrtverband Clia noch am selben Tag zu einer Stellungnahme veranlasst. Zwar verfolge man grundsätzlich dieselben Ziele, heißt es von der Clia – nämlich die Emissionen zu reduzieren und die Umwelt zu schützen. Allerdings unterschieden sich "die Auffassungen hinsichtlich der entsprechenden technischen Verfahren und der möglichen Umsetzungsgeschwindigkeit".

Im Kern beruft sich die Clia darauf, dass es für die Emissionen bereits gesetzlich festgelegte Obergrenzen gebe, die die Branche einhalte. So nutzten Schiffe schon seit 2015 in der Nord- und Ostsee und den angeschlossenen Häfen gemäß der Vorschrift kein Schweröl ohne den Einsatz entsprechender Filter. Kreuzfahrtschiffe, die Schweröl nutzten, müssten gleichzeitig gesetzlich anerkannte Technologien einsetzen, die die Schwefelemissionen auf das Niveau von schwefelarmen Dieselkraftstoff reduzieren.

Ein strengeres weltweites Schwefellimit sei zudem bereits beschlossene Sache. Ab 2020 seien nur noch Treibstoffe zulässig, die maximal ein Siebtel des Schwefelgehalts von derzeit zulässigen Treibstoffen enthalten, so  die Clia. In Nord- und Ostsee sowie den Häfen gelte bereits seit 2015 eine Höchstgrenze von 0,1 Prozent Schwefelanteil.

"Wir investieren erheblich"

Insgesamt seien nach Erhebungen der Clia bereits 111 der aktuell 253 Schiffe der weltweiten Flotte der Mitglieder mit Abgasnachbehandlungssystemen ausgestattet. Der Großteil der 111 Schiffe werde wegen der Umweltschutzauflagen in der Nord- und Ostsee eingesetzt. Die Zahl der Schiffe mit Abgasnachbehandlungssystemen steige zudem: Vor etwa einem Jahr seien es 99 Schiffe gewesen.

Die Reedereien investierten erheblich in neue Schiffe und Technologien, betont der Lobbyverband Mehr als jeder vierte Euro, den die Reedereien allein im vergangenen Jahr in Europa ausgegeben hätten, sei auf den Schiffbau und die Instandhaltung der Kreuzfahrtschiffe entfallen. Das entspreche 5,63 Milliarden Euro. Die Forderung des Nabu, die Ausstattung der gesamten Kreuzfahrtflotte mit Umwelttechnologien stärker voranzutreiben, werde "bereits erfüllt", glaubt die Clia.

Auch generelle Kritik äußert die Interessenvertretung der Reedereien am Ansatz des Nabu. So sei "ein wissenschaftlicher und nachvollziehbarer Ansatz beim Kreuzfahrtranking nicht zu erkennen". Das zeige sich unter anderem daran, "dass der Nabu die Umwelttechnologien von Jahr zu Jahr unterschiedlich" bewerte, so die Clia. So sei im vergangenen Jahr noch der Einsatz von Stickoxidkatalysatoren und die Nutzung von Landstrom mit nur 1,5 Punkten gewertet worden, in diesem Jahr seien es 2,5 Punkte, während die maximale Punktzahl nach wie vor 4 Punkte betrage.

 

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