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31. Mai 2021 | 13:32 Uhr
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Ober-„Querdenker“ will Geld mit Safaris in Tansania machen

Der als "Schwindelarzt“ bekannte Corona-Leugner Bodo Schiffmann will sich in Tansania eine Existenz mit Safarireisen für "Querdenker" aufbauen. Charterflüge aus Deutschland seien in Planung, lässt er wissen.

Tansania Serengeti Nationalpark Zebras Safari Foto iStock Delbars.jpg

Im Geschäft mit Safaris in Tansania will auch der aus Deutschland abgetauchte "Schwindelarzt" Bodo Schiffmann mitverdienen

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Angeblich aufgrund von Morddrohungen verließ der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Schiffmann, einer der prominentesten Köpfe der sogenannten "Querdenker"-Bewegung, im Februar Deutschland, um sich in Tansania niederzulassen. Gegen Schiffmann und seine Frau, mit der er eine Praxis in Sinsheim betrieb, ermittelte seinerzeit die Heidelberger Staatsanwaltschaft, weil sie Atteste, die von der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes befreien, ausgestellt haben sollen, ohne die Patienten vorher untersucht zu haben. Seine Praxis in der GRN-Klinik war dem Mediziner nach Informationen der "Rhein-Neckar-Zeitung" gekündigt worden.

Tansania wurde nicht zufällig zum Zufluchtsort des Corona-Leugners. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in das Land, das vom Robert-Koch-Institut als Hochinzidenzgebiet eingestuft wird. Auf dem Papier weist das Land zwar die wenigsten Corona-Fällen weltweit gemessen an der Einwohnerzahl auf. Doch das liegt vor allem daran, dass der mittlerweile verstorbene frühere Präsident John Magufuli am 8. Mai 2020 das Zählen einstellen ließ und nach drei Tagen nationalen Gebets mit Kräutermischungen Corona für beendet erklärte.

Magufuli starb im März, offiziell an einer Herzerkrankung. Allerdings hatte es zuvor Gerüchte über eine mögliche Covid-19-Infektion des Politikers gegeben; zudem war der Vizepräsident der Insel Sansibar nach einer Corona-Erkrankung gestorben. Just von dieser Insel machten bereits im Februar Schlagzeilen über ausschweifende Partys und feiernde Touristen die Runde.

"Querdenker"-Safaris mit Charterflug

Laut dem Portal "T-Online" will Schiffmann nun "Querdenker“-Safaris in Tansania organisieren. Ein möglicher Startpunkt könnte die aus dem gleichnamigen Film mit John Wayne und Hardy Krüger bekannte Hatari Lodge sein, schwadroniert Schiffmann in einem vor Ort gedrehten Youtube-Film. In dem von einer Unterstützergruppe veröffentlichten Youtube-Beitrag wirbt Schiffmann um ein wenig Geduld bis zur Aufnahme angeblich geplanter Charterflüge aus Deutschland.

Nach Angaben von "T-Online" sollen alle Lodges und Hotels für die "Querdenker“-Safaris möglichst komplett gebucht werden. Einen eigenen Tansania-Song "Freunde bei Freunden" gebe es auch schon. Und Schiffmann habe für seine Idee mit: "Wie Woodstock nur in Afrika dafür geil" geworben.

Ohne Maske kommen auch "Querdenker" nicht rein

Nicht ganz ohne Ironie ist unterdessen die Tatsache, dass sich die Kunden Schiffmanns bei der Einreise nach Tansania einer Masken- und Testpflicht unterwerfen müssten. Das sei "Inkonsequenz des höheren Zwecks Willen", zitiert "T-Online" Schiffmanns Frau: "Es macht einen Unterschied, ob man sich testet, um ein T-Shirt zu kaufen, oder um echte menschliche Kontakte zu haben. Wir sind definitiv wie Ihr gegen Tests und Maskenpflicht!!!!!!"

Die große Zuneigung der Corona-Leugner könnte für Tansania indes zum Imageproblem bei den Bemühungen werden, die notleidende Tourismusbranche wieder ans Laufen zu bringen. Eike Otto, als Berater für Tourismus und Regionalentwicklung in der Region gut vernetzt, sagte gegenüber Reise vor9, er erhalte immer häufiger Nachrichten über auswanderungswillige Deutsche, die in Tansania Grundstücke kaufen wollten. Tansania und Sansibar seien auf dem Weg zu Querdenker-Paradiesen, höre er von Leuten, die vor Ort mühsam versuchten, den Tourismus wieder in Gang zu bringen.

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