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29. Januar 2020 | 14:54 Uhr
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Reisestopp für Chinesen kostet Touristik weltweit Milliarden

Nachdem die chinesischen Behörden vorerst sämtliche Gruppen und Pauschalreisen ins Ausland untersagt haben, rechnen viele Destinationen in Asien, Amerika und Europa mit hohen Einnahmeausfällen. Die Deutsche Zentrale für Tourismus verweist allerdings darauf, dass die Hauptreisezeit für Fernreisen bei den Chinesen in den Sommermonaten liege.

Chinesische Touristen vor dem Römer in Franfkurt

Vor dem Römer in Frankfurt sind derzeit keine chinesischen Touristen zu sehen

Eins steht jetzt schon fest: Die Auswirkungen der Ausbreitung des neuen Coronavirus auf die weltweite Wirtschaft und die weltweite Tourismusbranche stärker treffen als der Ausbruch von Sars im Jahr 2003. Das liegt vor allem daran, dass sich der Anteil Chinas an der Weltwirtschaft und den Reiseströmen seit dem Beginn des Jahrtausends vervielfacht hat. Laut dem Internationalen Währungsfond IWF betrug der Anteil Chinas an der weltweiten Wirtschaftsleistung vor 17 Jahren 4,3 Prozent, im vergangenen Jahr waren es 16,3 Prozent.

2003 reisten etwa 20 Millionen Chinesen ins Ausland, 2019 waren es 134 Millionen. Allein während des laufenden chinesischen Neujahrsfestes wurde nach offiziellen Prognosen aus China mit sieben Millionen Auslandsreisenden gerechnet, im Vorjahr waren es um diese Zeit 6,3 Millionen gewesen.

Umsatzbezogen zweitwichtigster Quellmarkt

Auch für das Reiseland Deutschland ist der Incoming-Tourismus aus China immer wichtiger geworden. Im vergangenen Jahr sorgten sie für drei Millionen Übernachtungen, gemessen am Übernachtungsvolumen steht China damit an zwölfter Stelle. Weil Urlauber aus dem Reich der Mitte ihre Auslandsreisen nach wie vor gerne für ausgiebige Einkaufsbummel nutzen, liegt der Gesamtumsatz mit Besuchern aus China bei sechs Milliarden Euro. Das bedeute unter den Quellmärkten umsatzbezogen Platz zwei, unterstreicht Petra Hedorfer, die Vorstandsvorsitzende der DZT.

Die üblicherweise hohe Reiseintensität aufgrund des chinesischen Neujahrsfestes beziehe sich in erster Linie auf Reisen im eigenen Kontinent, heißt es von den Deutschlandwerbern. Die Hochsaison für Fernreisen – und damit auch für Deutschland – liege in den Sommermonaten. Im Januar würden in der Regel nur etwa sechs Prozent des jährlichen Übernachtungsvolumens aus China generiert.

Alles eine Frage der Dauer

"Aktuell können wir noch keine verlässlichen Aussagen zu den Auswirkungen auf das Incoming aus China treffen," räumt Hedorfer ein und fügt hinzu: "Wissend um die hohe Sympathie der Chinesen für das Reiseland Deutschland hoffen wir, dass sich die Situation für chinesische Reisende zeitnah entspannt."

Der Reisestopp für die Chinesen trifft Hotellerie, Incoming-Agenturen, Airlines, Flughäfen, Einzelhandel und Gastronomie. Vielerorts waren in den vergangenen Jahren große Investitionen unternommen worden, um Reisenden aus China die dort üblichen Zahlungsmöglichkeiten per Smartphone eröffnen zu können und sich ihren Reise- und Konsumgewohnheiten anzupassen. Nun fürchten sie um den größten Wachstumsquellmarkt.

Kurzfristig werden vor allem die asiatischen Nachbarländerdavon betroffen sein, dass die Chinesen Zu Hause bleiben müssen. Mit einem starken Einfluss auf die europäischen und amerikanischen Märkte rechnen Experten laut dem US-Fachportal „Travel Weekly“ erst, wenn die Erkrankungswelle noch länger andauert.

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