Tägliche News für die Travel Industry

7. November 2019 | 16:10 Uhr
Teilen
Mailen

RTK-Chef fordert Ende wachstumsfixierter Provisionsmodelle

Bei der Jahrestagung der Kooperation kritisierte Thomas Bösl, die Orientierung der Vergütung am Mehrumsatz sei angesichts eines stagnierenden Gesamtmarktes unrealistisch. Zudem bedrohe der Versuch großer Veranstalter, unabhängige Reisebüros über Wachstumsdruck an sich zu binden, die Vielfalt in der Branche.

Bösl Thomas

"Anerkennung muss sich in der Vergütung ausdrücken", sagt Thomas Bösl

Bösl erklärte in seiner Grundsatzrede auf der "MSC Grandiosa" in Hamburg, nach der Pleite von Thomas Cook habe der stationäre Vertrieb für seinen unermüdlichen Ansatz zwar erneut viel Schulterklopfen erhalten, doch die Anerkennung der Leistung der Reisebüros müsse sich in verbesserten Vertriebskonditionen ausdrücken. Die aktuellen Vergütungsmodelle großer Veranstalter seien zu stark auf Wachstum ausgelegt, was für beide Seiten kontraproduktive Effekte habe. So müssten Reisebüroinhaber in potenziell wachstumsstarken Jahren die Umsätze mit einzelnen Veranstaltern geradezu drosseln, um im Folgejahr nicht Gefahr zu laufen, in der Vergütungshöhe abzurutschen.

Langfristige Vereinbarungen gefordert

Im neuen Geschäftsjahr werde die Wachstumsbezogenheit der Provision vermutlich kein großes Problem sein, da die Veranstalter von der Verteilung der Marktanteile, die zuvor Thomas Cook gehalten habe, den Anbietern in die Hände spiele. Doch man müsse langfristig denken. Die Zeiten starken Wachstums im Gesamtmarkt seien vorbei, so der RTK-Geschäftsführer.

Ein weiteres Ärgernis sei aus der Sicht der Reisebüros die Intransparenz vieler Provisionsmodelle, die Verwirrung stifte, statt zu überzeugen. "Wir müssen wegkommen von der Fülle an Fußnoten und Einschränkungen, die Reisebürounternehmer jedes Jahr zwingen, neu zu kalkulieren und taktische Maßnahmen zu ergreifen", so Bösl gegenüber Reise vor9. Die Reisebüros benötigten eine zuverlässige, planbare und kalkulierbare Vergütung.

Zudem unterstrich der Kooperationschef die Forderung, dass alle Veranstalter die Provision im Monat nach der Buchung auszahlen sollten. Sein Geschäftsführerkollege Lars Helmreich betonte bei einer Podiumsdiskussion auf der RTK-Jahrestagung: "Mit der Buchung haben die Reisebüros ihre Leistung erbracht. Dafür müssen sie zeitnah bezahlt werden."

Christian Schmicke

Anzeige