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11. September 2018 | 15:15 Uhr
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Ryanair sperrt Journalisten von Hauptversammlung

Ein Kommentar von Christian Schmicke

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Schon immer ist Ryanair-Chef Michael O’Leary ein gutes Beispiel für einen doppelbödigen Umgang mit den Medien. Einerseits versteht er es meisterhaft, triviale Dinge wie die Aufnahme einer neuen Flugverbindung als mediales Großereignis zu zelebrieren und es mit bisweilen aberwitzigen Sprüchen in die Schlagzeilen zu bringen. Andererseits blocken der Lautsprecher der Airline-Branche und seine Adjutanten kritische Fragen gerne ab. Jenseits der Botschaften, die sie nicht aus eigenem Antrieb lancieren wollen, gibt es nichts.

Das Verhältnis zwischen O’Leary und den Medien ist deutlich über das in der Touristik und im Transportwesen ohnehin übliche Maß hinaus instrumentell. Dass sich das nicht bessern würde, wenn Ryanair, wie in den vergangenen Monaten und auch jetzt, unter Druck gerät, war zu erwarten. Auch nach der Streikankündigung des deutschen Cockpit- und Kabinenpersonals, derentwegen am Mittwoch 150 Flüge von und nach Deutschland ausfallen, folgt die Krisen-PR von Ryanair dem üblichen Muster. Man betont, dass man längst ein tolles Angebot vorgelegt habe, erklärt den Streik für "unnötig und inakzeptabel" und droht, wie am Dienstag geschehen, mit Arbeitsplatzabbau. Alles wie immer.

Zutrittsverbot bei der Hauptversammlung

Neu ist allerdings der Entschluss, die Medien von der am 20. September stattfindenden Hauptversammlung auszuschließen. Man wolle alle Angelegenheiten mit den Aktionären frei erörtern, ohne dabei durch PR-Angelegenheiten beeinträchtigt zu sein, erklärte das Management am Montag. Das ist nicht nur ein Abrücken von der üblichen Praxis. Der Schritt ist auch insofern ungewöhnlich, als O’Leary selbst diesen Anlass in der Vergangenheit stets für groß angelegte Pressekonferenzen genutzt hat. Tatsächlich verdeutlicht das Zutrittsverbot für Journalisten, wie ernst die Lage bei der irischen Fluggesellschaft ist.

Denn in erster Linie wird O’Leary seinen Shareholdern nächste Woche erklären müssen, dass die Kosten seiner Airline zwangsläufig steigen. Das europaweite Aufbegehren des Ryanair-Personals hat eine Welle ins Rollen gebracht, die kaum zu stoppen ist. Dabei wird es dem Ryanair-Chef schon schwer genug fallen, zu erklären, warum ausgerechnet er, der die Existenzberechtigung der verhassten Gewerkschaften stets kategorisch verneinte, ebendiese seit geraumer Zeit als Verhandlungspartner akzeptiert. Die Zeiten, in denen er ungehindert Lohndumping betreiben und mit fragwürdige Arbeitsverhältnissen arbeiten konnte, sind jedenfalls vorbei. Das senkt – jedenfalls tendenziell – den Kosten- und Preisdruck in der europäischen Airline-Industrie. Insofern lässt sich sogar eine Maßnahme, die aus dem Blickwinkel eines Medienmachern alles andere als applausverdächtig ist, zur guten Nachricht umdeuten.

 

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