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2. März 2026 | 17:35 Uhr
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Sind Reisende selbst schuld für das Stranden am Golf?

Außenminister Johann Wadephul (Foto) irritiert die Branche: Sein Ministerium habe seit Wochen gewarnt, dass sich die Situation am Golf verschärfe, sagte er in der TV-Sendung Caren Miosga. Doch eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amts gibt es erst seit Samstag. Der Frage nach Evakuierungsflügen wich er aus: Für den Rücktransport seien die Reiseunternehmen verantwortlich.

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Außenminister Johann Wadephul sagt, sein Ministerium habe seit Wochen vor einer Verschärfung der Lage gewarnt

Die Situation sei schwierig, der Luftraum geschlossen. "Das Auswärtige Amt hat allerdings seit mehr als vier Wochen, also seit sechs Wochen gewarnt, dass sich die Situation verschärft", so Wadephul wörtlich in der Talk-Sendung Caren Miosga (ab 10. Minute). Und ein paar Minuten später noch einmal auf die Frage von Miosga, ob die Leute ein Stück weit selbst für ihre Lage verantwortlich seien: "Ich will hier keine Vorwürfe erheben, aber wir haben das gemacht, was wir tun konnten, nämlich Reisewarnungen aussprechen", sagte Wadephul.

Diese Aussage des Außenministers stimmt aber so nicht: Eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amts gibt es erst seit Samstag, nachdem die ersten Raketen geflogen sind. Zuvor hatte die Behörde lediglich auf eine mögliche Verschärfung der Lage hingewiesen.

Rücktransport Aufgabe der Branche

Die Frage von Miosga, ob es Evakuierungsflüge geben werde, ließ Wadephul unbeantwortet und stellte klar, wessen Aufgabe das sei. "Zunächst möchte ich noch einmal festhalten, es sind die Reiseverkehrsunternehmen dafür verantwortlich, auch den Rücktransport zu ermöglichen", sagte der Außenminister. "Wir unterstützen selbstverständlich, das ist auch unsere Aufgabe."

Laut Wadephul gibt es Möglichkeiten, die Region zu verlassen. "Zum jetzigen Zeitpunkt muss man versuchen, auf dem Landweg ein Nachbarland zu erreichen, wo noch geflogen wird", so der Außenminister. "In Saudi-Arabien und Oman kann man derzeit noch fliegen."

Längerer Konflikt zu erwarten

Sobald Flugverbindungen wieder stattfinden könnten, gehe er davon aus, dass es Charterflüge geben werde. "Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert." Es sei nicht zu erwarten, dass die Kampfhandlungen in den nächsten Tagen beendet würden. Wadephul: "Deshalb müssen wir Vorsorge dafür treffen, dass auf anderem Wege eine Ausreise aus diesen Ländern ermöglicht wird."

Der Reisebüroverband VUSR erklärt auf Anfrage von Reise vor9, bei Pauschalreisen sei die Verantwortlichkeit eindeutig geregelt. Hier habe der Bundesaußenminister mit seiner Aussage in der Sache recht, so die Vorsitzende Marija Linnhoff. Der Reiseveranstalter sei gesetzlich verpflichtet, die ordnungsgemäße Durchführung der Reise sicherzustellen – einschließlich der Organisation einer Rückreise im Krisenfall. Erforderliche staatliche Rückholmaßnahmen für Individualreisende fielen in die Zuständigkeit der Bundesregierung und erfolgten grundsätzlich kostenpflichtig, so Linnhoff weiter.

Thomas Hartung

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